Am Freitag, den 30. Juni, fand unser Okulier-Praxis-Abend in Liemersbach statt. Karl Rieger, ehemals Bezirksfachberater in Schwäbisch Hall und noch immer im „Unruhestand“, erläuterte zu Beginn die unterschiedlichen Möglichkeiten, Rosen und andere Pflanzen zu vermehren bzw. zu veredeln. An einem Ast eines Apfelbäumchens erklärte er den Teilnehmern, welche Schritte dazu notwendig sind.
Vom Anbringen eines T-Schnitt an der Unterlage, d.h. der Pflanze, welche als Wurzelträger die Versorgung der Veredlung übernimmt, über das Entfernen (Ausschneiden) des „Auges“, d.h. einer Knospe aus einer kürzlich gewonnenen diesjährigen Rute einer „Edel“-Sorte, bis hin zum Einsetzen in den T-Schnitt und nachfolgender Stabilisierung mittels Okuletten-Gummi oder Bastfaden, wurde jeder Schritt gekonnt erklärt und gezeigt.
Wo der Schnitt an einer Rose anzubringen ist und wie dies in einer Großgärtnerei noch vor einigen Jahren ausgesehen hat, brachte infolge der „Bücktiefe“ ans Licht, warum früher die Hobbygärtner lieber Rosenstämmchen zogen. Wie nun aber aus einem Wildling, der zu diesem Zeitpunkt nur sehr dünne Ruten hat, ein Hochstamm gezogen wird, konnten sich die Teilnehmer dann doch nicht vorstellen. Nach einer einfachen Erklärung Riegers jedoch, überlegte sich der ein oder andere hörbar, ob er sich nicht später noch an einem Hochstämmchen versuchen sollte.
Für die Anwesenden begann aber nun der praktische Teil, indem die Teilnehmer sich unter fürsorglicher Anleitung an den mitgebrachten Apfelruten selbst im Okulieren versuchten und übten. Dabei konnten sie feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, wie es aussieht, wenn es ein Profi macht. Aber durch die Tipps zur rechten Zeit konnte ein jeder ein paar Augen an seinem „Unterlagen“-Ast anbringen und war schließlich bereit für sein persönliches „Meisterstück“, der Veredlung einer eigenen Rose. Und nun bekamen die Teilnehmer je einen Wildling an dem sie das eben Gelernte umsetzen durften: Es stellte sich heraus, dass die Rinde einer Rose schwieriger zu beschneiden ist, als bei einer Apfelrute und man aufpassen musste, mit den scharfen Okuliermessern nicht zu tief unter die Rinde zu scheiden. Schließlich wurde auch diese Hürde erfolgreich gemeistert, so dass jeder seine frisch veredelte Rose mit nach Hause bringen konnte. An dieser Stelle vielen Dank an Karl Rieger, der uns so gekonnt durch den Abend geführt hat. Es war ein riesiger Spaß, und wir sehen uns bestimmt alle beim Obstbaumveredeln wieder.
Katja Herbst