Rhabarber – Sauer macht lustig

Ursprünglich stammt der Rhabarber (lat. rheu barbarum) aus den Gebirgen Asiens. Seit mehr als 4000 Jahren ist eine Nutzung überliefert.  

Die Stängel waren zunächst medizinisch nicht interessant. In China verwendete man nur die Wurzeln als Arzneimittel und auch in Arabien und Persien wussten die Heilkundler um deren Wirkung. Der Wurzelstock enthält so genannte Anthrachinone, die sehr giftig sind. Aber zu Pulver verarbeitet konnte man sie wirksam gegen Darmparasiten und Verstopfungen einsetzen. 

Man berichtet, dass ein regelrechter globaler Wettkampf um die medizinisch wertvollen Wurzeln entbrannte. So beanspruchte der russische Zar das Handelsmonopol für über Sibirien importierten Rhabarber. Die englische Ostindien-Gesellschaft ihrerseits versuchte dieses Monopol zu brechen. Zum Ende des 18. Jahrhunderts stellte man die Wirksamkeit der Medizin aus der Rhabarberwurzel in Frage und das Wissen geriet in Vergessenheit.

Anders erging es den Rhabarberstängeln, die zum begehrten Handelsobjekt wurden. Belegt ist, dass der erste europäische Anbau in Chelsea in England erfolgte. In Deutschland eroberte das Gemüse zunächst die norddeutsche Küste. Die erste Rhabarberkultur in Vierlanden nahe Hamburg geht auf das Jahr 1840 zurück. Von dort aus verbreitete er sich über die Märkte in Norddeutschland.

Diese sauren Stängel wecken Kindheitserinnerungen. War es doch die erste Pflanze im Frühjahr, die man essen konnte. Um den Erntetermin vorzuverlegen, stülpte man dunkle Eimer über die noch ruhende Pflanze. Die Wärme führte dazu, dass die Stängel schneller austrieben. Lang genug, konnte man sie mit einem Ruck aus der Erde reißen. Das daraus gekochte Rhabarberkompott befand sich immer an der Grenze zwischen lecker und scheußlich, egal wie viel Zucker verarbeitet wurde.

Gesunde rote Stängel?

Botanisch gesehen wird Rhabarber dem Gemüse zugeordnet und gehört wie der Sauerampfer zu den Knöterichgewächsen. Er stärkt dank seines hohen Anteils an Vitamin C das Immunsystem. So ist der Körper besser geschützt und kann sich gut gegen Viren, Bakterien und Pilze wehren. Daneben sind enthalten Vitamin K und die wichtigen Mineralstoffe Kalium, Natrium, Kalzium, Magnesium sowie Eisen, Phosphor und Jod.  

Der hohe Gehalt an Kalium sorgt für seine entwässernde Wirkung und fördert den Transport der Nährstoffe. Der enthaltene Anteil an Natrium unterstützt die Verdauung durch Anregung der Darmbewegungen. Eine blutreinigende Wirkung wird ebenfalls beschrieben. In Form von Kompott kann Rhabarber Leber, Galle und Darm schonend reinigen.  

In der roten Farbe der Stängel befinden sich Anthocyane und Proanthocyanidine. Diesen Antioxidantien werden antibakterielle, entzündungshemmende und sogar krebshemmende Eigenschaften nachgesagt. Sie schützen den Körper vor gesundheitsbezogenen Problemen wie z.B. Diabetes oder Herzkrankheiten.   

Pro 100 Gramm ist er mit 30 kcal sehr kalorienarm. Er enthält kein Cholesterin und ist sättigend dank der großen Menge an Quell und Ballaststoffen.  

Vorsicht: Leider befindet sich in den schönen und großen Rhabarber-Blättern in hoher Konzentration Oxalsäure, die giftig ist. Vor der Verarbeitung der Stängel müssen daher alle Blätter entfernt werden und dürfen nicht verzehrt werden (auch nicht im Smoothie!). Anderenfalls können Nierenschäden, Kreislaufstörungen und Erbrechen auftreten.  

Beachte: Auch in den Stängeln sind geringe Mengen an Oxalsäure enthalten. Kombiniert man das Rhabarberkompott aber mit Milch/Milchprodukten, neutralisiert der Kalziumanteil die Oxalsäure.  

Ende der Erntezeit: Rhabarber darf nur bis zum 24. Juni geerntet werden. Danach steigt die Bildung der Oxalsäure in der ganzen Pflanze deutlich an.  

Antonia Rose