Lungenkraut

Das Lungenkraut (Pulmonaria) verschönert die Sonnentage im Frühjahr mit zarten Blüten und dekorativen Blättern – letzteres noch lange nach der Blütezeit. Mit seinen rund 30 cm Höhe rollt es an seinen Standorten einen hübschen und länger andauernden Blütenteppich aus. Die meisten Sorten blühen von März bis Mai. In milden Wintern öffnen manchmal einzeln und geschützt stehende Pflanzen ihre Knospen bereits im Februar, wo sie gerne von Bienen und Hummeln als Bienenweide angenommen werden.  

Die Staudengattung, deren Arten als ausgesprochen winterhart gelten, gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) und umfasst 10 bis 18 sommergrüne und halbimmergrüne Arten. Die meisten von ihnen sind in den Wäldern und Gebirgen Europas und Westasiens heimisch. Der Handel bietet Selektionen mehrerer Wildarten an: Allein das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) spielt eine Rolle als Heilpflanze, alle anderen Arten wie das Rote Lungenkraut (Pulmonaria rubra) haben eine ziergärtnerische Bedeutung. Es fällt bei neueren Züchtungen oft schwer, sie einer Art zuzuordnen – in der Regel handelt es sich hier einfach um Hybriden, also Kreuzungen verschiedener Arten. Das ist nicht weiter schlimm, denn es kommt vor allem auf spezifische Sorteneigenschaften wie Wuchsform, Intensität und Haltbarkeit der Blüten- und Blattfärbung und natürlich Gesundheit an.  

Der Name Lungenkraut ist vom lateinischen Wort „pulmo“ – Lunge – abgeleitet. Er verweist auf die Ähnlichkeit der Blätter mit Lungenflügeln hin, wegen der die Wildstaude früher zur Behandlung von Lungenleiden verwendet wurde. Heute ist die Heilwirkung des Echten Lungenkrauts (Pulmonaria officinalis) umstritten. Es wird aber immer noch zur Herstellung von Tees, Hustenbonbons und homöopathischen Arzneimitteln verwendet.  

Die Lungenkräuter wachsen vorwiegend horstig. Ihre Blätter und Stängel sind überwiegend behaart. Von März bis Mai tragen sie rote, violette, blaue und selten auch weiße Blüten, die endständig in Wickeltrauben angeordnet sind. Die Einzelblüten sind trichterförmig. Manche Arten wechseln innerhalb einer Blühperiode die Blütenfarbe. Neben ihrem reichen Flor punkten die Lungenkräuter mit hübschen Blättern. Je nach Sorte ist das Laub ganz grün, weiß gefleckt oder oberseits beinahe vollständig silbergrau, wie das der Sorten ‚Silver Bouquet’ oder ‚Moonshine’. Die Blätter selbst sind grundständig angeordnet und stehen auf langen Stielen. Die Blattform variiert je nach Art von lanzettlich bis oval. Manche Arten haben auch spitz zulaufende Blätter, andere einen gewellten Rand.  

Die Frühlingsblüher mögen am liebsten einen Platz unter kleineren laubabwerfenden Gehölzen, da sie hier zum Austrieb im Frühjahr genügend Licht bekommen. Zwar kommen die meisten Arten auch mit Schatten zurecht, jedoch kann dann die Blüte auch etwas magerer ausfallen. Das genügsame Lungenkraut gedeiht bei den meisten Arten auch auf schwereren Böden oder Böden mit hohem Kalkgehalt. Diese können durch Zugabe von Sand und Kompost für das Wachstum verbessert werden. Die optimale Erde für Lungenkräuter ist lehmig-humos, nährstoffreich und sommerwarm. Auf Staunässe reagieren sie empfindlich, ebenso auf Trockenheit.  

Im ersten Jahr empfiehlt es sich, die Staude nach der Pflanzung regelmäßig zu wässern, damit sie kräftige Wurzeln bildet. Lungenkräuter mögen zudem eine jährliche Gabe Laubhumus oder Rindenkompost im Frühjahr. Bei Schnitt nach der Blüte erfolgt ein neuer Austrieb mit besonders attraktiver Blattzeichnung.  

Im Garten breitet sich der Bodendecker mittels seiner dicken Rhizome langsam aus, ohne dabei lästig zu werden. In der Fläche lässt sich das Lungenkraut sehr gut mit Zwiebelblumen kombinieren. Harmonisch wirken Pflanzungen aus blauem Lungenkraut und hohen Blausternchen, rosa Lungenkraut und gleichfarbigen Lenzrosen, Tulpen oder Hasenglöckchen sowie weißem Lungenkraut und Narzissen, Tulpen oder Märzenbecher im gleichen Farbton. Besonders schön kommen die silbrigen Blätter zur Geltung, wenn man mit gelbgrünem Laub kombiniert. Außer der Zierbrombeere bieten sich dazu unter anderem Gold-Berberitze, Storchschnabel, Pfennigkraut, Purpurglöckchen oder Goldrand-Segge an. Auch später blühende Arten mit weißen Blüten insbesondere mit Astilben sind schöne Beetpartner.  

Lungenkräuter werden am einfachsten durch Teilung der Rhizome vermehrt – ideal direkt nach der Blüte im Frühsommer. Schnellwachsende Arten können in viele kleine Stücke geteilt werden, bei langsamer wachsenden Arten sollten die Teilstücke etwas größer sein. Große Teilstücke können Sie sofort wieder an einer anderen Stelle im Garten einpflanzen. Kleinere Stücke kommen in einem Topf an einen schattigen Platz mit Auspflanzung im Herbst. Es ist außerdem möglich, Lungenkraut auszusäen, wobei das Aussehen der jungen Pflanzen gegenüber der Mutterpflanze infolge des sehr hohen Kreuzungsvermögens untereinander sich stark verändern kann.  

Jörg Gensicke