Besuch der Reichenauer Gärtnersiedlung

„Schauen, wie es die Profis machen!“ – Paprikaproduktion für den Handel – Ernte bis zu 100 000 Früchte täglich! – Unser Bezirksfachberater Peter Höner aus Ravensburg war bei einer Besichtigung über den VdK diesen Sommer vor Ort dabei.   

Im Jahr 2011 entschlossen sich im Rahmen einer Anfrage eines Lebensmittelkonzerns nach regionaler Paprika – in entsprechenden Mengen – fünf Familienbetriebe aufgrund ihrer eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten auf der Insel Reichenau für eine Aussiedlung und erstellten bei Singen-Beuren ein neues hochmodernes Gewächshaus. Der Anbau von Paprika, Spitzpaprika, Auberginen und Gurken startete in der Saison 2012. Die Gemeinschaft aus fünf Gärtnern gründete so die »Reichenauer Gärtnersiedlung«. Alle Gärtner sind zugleich Mitglied in der Reichenau-Gemüse eG, eine Genossenschaft, die die Vermarktung der Erzeugnisse aus der Gärtnersiedlung übernimmt. Die Gewächshausfläche beträgt 13 ha. In den Gewächshäusern ist ein betonierter Weg im Umfang von 0,2 ha vorhanden. Der Paprika wird im Rahmen der integrierten Produktion angebaut. Das Ziel ist ein möglichst 100 % rückstandsfreies Produkt. Nützlinge werden flächendeckend gegen Schädlinge eingesetzt. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln wird infolgedessen stark minimiert bzw. vollständig ersetzt und die gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf Rückstände weit unterschritten. Die Energieversorgung erfolgt im Wesentlichen über ein Blockheizkraftwerk und zusätzlichen Gas-Brennkesseln, welche durch Biogas gespeist werden. Das Blockheizkraftwerk produziert zusätzlich Bio-Strom für rund 4.000 Haushalte in der Region. Die Abwärme wird für die Beheizung der Gewächshäuser verwendet. Alle Gewächshauswände bestehen aus energiesparenden Doppelstegplatten. Zudem tragen zwei am Glashausdach angebrachte Energieschirme zum reduzierten Energieverbrauch bei. Eine auf dem Dach der Verpackungshalle installierte Photovoltaik-Anlage bringt zusätzlich 140 KW Leistung. Rund 70 % des benötigten Wassers für die Produktion wird über ein riesiges Sammelbecken mit Regenwasser gewonnen. Das in den Sommermonaten zusätzlich benötigte Wasser (30%) wird über eine 800 m lange Wasserleitung aus der Radolfzeller Aach entnommen. Als ökologische Ausgleichsmaßnahme wurden in der Radolfzeller Aach Buhnen erstellt. Im Dezember 2020 wurde die Produktionsanlage mit dem Betriebszweig Biogemüse Hegau um weitere 4 Hektar vergrößert. Innovative Maschinen, selbstfahrende Erntewagen und Roboter machen den Betrieb dabei zu einer der modernsten Produktionsanlagen im Paprikaanbau. In der Spitze der Erntezeit arbeiten bis zu 150 Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf im größten Gewächshaus Süddeutschlands. Standard sind 60 Vollzeitarbeitsplätze. Die einjährigen Gemüse-Kulturen haben eine lange Saison: Die Ernte erfolgt im ablaufenden Jahr bis in den November. Danach wird gerodet, geschreddert und das Material auf anliegende Felder verbracht. Im Dezember wird die Kulturfläche neu vorbereitet und mit 300 000 Jungpflanzen neu bestückt. Es folgen regelmäßige Pflegearbeiten, ab März beginnt die Ernte. Bis November haben die Paprika eine Höhe von 4 Metern erreicht. Die Reichenauer Gärtnersiedlung arbeitet unter ähnlich strengen Zielen zum Umweltschutz, wie die Reichenauer eG. Diese erhielt im Jahr 2012 vom BUND das Siegel „Nachhaltige Wertschöpfung am Bodensee“. Die Gärtnersiedlung hat sich zum Ziel gesetzt, die Ressourcen Wasser und Energie effizient einzusetzen und ein optimales Gleichgewicht zwischen Ressourcenschonung und wirtschaftlichem Ertrag zu schaffen. Die Belastung der Umwelt ist durch die Wiederaufbereitung des Wassers, der Energie aus dem Blockheizkraftwerk und der Verwendung von recyclebarem Kokossubstrat sehr gering.  

Siehe Homepage: Home – Reichenauer Gärtnersiedlung – Singen (reichenauer-gaertnersiedlung.de). Ansprechpartner zu Führungen ist Alexander Seitz: E-mail: fuehrungen@reichenauer-gaertnersiedlung.de    

Peter Höner