Die Gemeine Wegwarte, bekannt unter dem Namen Zichorie, ist „die Mutter“ einiger unserer gesündesten Salate. Zwei Zuchtformen der Wegwarte kennt man: den Chicorée und den Radicchio. Beide sind verwandt mit der Endivie und alle haben eins gemeinsam, ihre Bitterkeit.
Seit Urzeiten wurde die Zichorie als Salatpflanze genutzt. Bei den Griechen und Römern kannte man die Pflanze schon als Heilpflanze. Weitere Züchtungen ließen die Wurzelzichorie entstehen. Man lernte, dass in den Wurzeln ganz besondere Eigenschaften lagen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts dienten die gerösteten Wurzeln sogar als Kaffeeersatz-Getränk (Stichwort: „Muckefuck“).
Wer die Blätter der Pflanze als Gemüse wiederentdeckt hat, weiß man nicht so genau. Sicher ist, dass es die Belgier waren. Eine Version besagt, dass um das Jahr 1845 der Chefgartenbauer Bresier am Botanischen Garten in Brüssel, entdeckte, dass die im dunklen Keller gelagerten Wurzeln wieder austrieben. Die neuen zartgelben Blattsprossen waren zart und wohlschmeckend. 1873 präsentierten die Belgier die Pflanze als Gemüse auf einer Ausstellung. Man nannte es „Brüsseler Endivie“ – unser heutiges Chicorée-Gemüse.
Wachsen die Blätter in absoluter Dunkelheit, entwickeln sie einen angenehm bitter-herben Geschmack. Die positiven Wirkungen ersetzen noch heute den Magenbitter. Chicorée bindet die Magensäure und regt die Verdauung an. Die Pflanze bildet den Bitterstoff Lactucopikrin. Dieser Stoff kurbelt die Bildung von Gallensäuren an und wirkt sich positiv auf die Verdauung aus. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ferner eine Wirksamkeit gegen Malaria und einen schmerzstillenden Effekt.
Neben den Bitterstoffen kann Chicorée mit zahlreichen Vitaminen und Ballaststoffen punkten. Der Inhaltstoff Inulin freut die Diabetiker, denn er verhindert, dass der Blutzuckerspiegel über Gebühr ansteigt.
Die Blätter enthalten wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Genannt seien Vitamin B1, B2, C, Phosphor, Kalium und Calcium. Erfreulich für alle, die auf ihr Gewicht achten möchten: Sie dürfen das Wintergemüse mit gutem Gewissen verzehren, pro 100 Gramm beträgt der Kaloriengehalt nur 17 Kilokalorien (bzw. 71 Kilojoule).
Die enthaltenen Bitterstoffe regen die Leber und die Bauchspeicheldrüse an. Diese Organe sind unter anderem für die Bildung von Enzymen zuständig. Erst durch sie ist es möglich, Stoffe aus der Nahrung aufzunehmen und diese zu verdauen. Insbesondere wird die Fettverdauung durch die Bitterstoffe angeregt.
Ganz nebenbei reduzieren sie auch den Heißhunger auf Süßes. Die zahlreichen Ballaststoffe regulieren zudem den Cholesterinspiegel. So kann man möglicherweise koronaren Herzerkrankungen vorbeugen und das Darmkrebsrisiko senken.
Bekannt ist ferner, dass die hellen Salatblätter auch den Säure-Base-Haushalt regulieren. Für Menschen mit Rheuma ist das Gemüse daher besonders geeignet.
Antonia Rose