Die Quitte „Cydonia Oblonga“

Von September bis November hat sie ihren großen Auftritt mit ihrem fruchtig-zitronig herben Fruchtfleisch – als Gelee, Kompott oder Marmelade. Die Wildform der Quitte stammt aus Zentralasien, von wo aus sie sich in Europa ausgebreitet hat. In Deutschland selbst gibt es nur noch wenige Erwerbsanlagen. Quitten ­findet man überwiegend lediglich in Hausgärten.           


Optisch erinnert die unscheinbare Quitte an eine Kombination aus Apfel und Birne. In rohem Zustand ist die gelbe Frucht steinhart und schmeckt bitter. Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn schon in der Antike sprach man der gelben Frucht eine heilsame Kraft zu. Ihr Ruf als Powerfrucht kommt nicht von ungefähr. Wertvolle Inhaltsstoffe verbergen sich in der harten Schale: Vitamin C, Kalzium, Kalium, Phosphor, Magnesium, Eisen sowie ein hoher Gehalt an Pektinen, Gerbstoffen und Ballaststoffen. Quitten sind darüber hinaus sehr kalorienarme Früchte mit einem hohen Wasseranteil.          

Nährwerte bezogen auf 100 Gramm Fruchtfleisch:        

Kalorien: 38 kCal    

Eiweiß: 1,7 g    

Fett: 0,5 g     

Kohlenhydrate: 12 g    

Ballaststoffe: 6 g    

Wasser: 84,7 g     


Früher wurde die Frucht hauptsächlich zu Heilzwecken benutzt. Als hustenlösendes Mittel schätzte man die schleimstoffhaltigen Quittensamen. Die bedeutende natur- und heilkundige Universalgelehrte Äbtistin Hildegard von Bingen (1098–1179) setzte den Quittensaft bei Magen- und ­Leberleiden ein und nutzte ihn als Mittel gegen Gicht und Geschwüre.     


Wirkung der Pektine     

Die Früchte sind sehr ballaststoffreich (etwa 6 Gramm auf 100 Gramm Fruchtfleisch) und enthalten wasserlösliche Pektine. Diese quellen im Darm auf und bringen die Verdauung in Schwung. Im Magen-Darm-Trakt sorgen sie dafür, dass ein Teil der mit der Nahrung aufgenommenen Fette und Gallensäuren gebunden werden, damit der Körper sie leicht ausscheiden kann.      
Pektine können auch unerwünschte Stoffe (z.B. gefährliche Schwermetalle) binden und so zur Entgiftung des Organismus beitragen. Zucker wird langsamer resorbiert – der Zuckerspiegel hält sich im Lot. Studien haben gezeigt, dass Pektine den Cholesterinspiegel senken und damit Diabetes (Zuckerkrankheit) und Herzleiden vorbeugen können.      
Neben dem Vitamin C und Kupfer enthält die Quitte noch einige andere ­antioxidativ wirksame Stoffe. Besonders der Anteil an Flavonoiden ist hier zu nennen. Sie schützen unsere Körperzellen vor gefährlichen freien Radikalen. Das reichlich enthaltene Quercetin wird sogar „König der Flavonoide“ genannt. Es hat schon in vielen Studien gezeigt, dass es gegen Entzündungen und Allergien wirkt. Auch soll es das Wachstum des schädlichen Bakteriums Helicobacter pylori hemmen. Dieses Bakterium wird für die Entstehung von Magenschleimhautentzündungen und Zwölffingerdarmgeschwüren verantwortlich gemacht. Den Hauptanteil an Quercetin findet man übrigens, wie so häufig, in der Quittenschale. Nutzen sie die Schale um daraus einen wunderbaren Tee zuzubereiten.       


Wirkung der Quitte im Überblick       

  • antioxydativ
  • antientzündlich
  • antibakteriell
  • antiviral
  • hustenlindernd
  • leberschützend
  • entwässernd
  • gegen Durchfall
  • cholesterinsenkend
 

Seit 2010 forscht man zum Thema Quitten und Tumorerkrankungen. Portugiesische Forscher von der University Fernando Pessoa haben dokumentiert, dass es hemmende Eigenschaften der Frucht gibt in Bezug auf menschliche Krebszellen.       


Wichtiger Hinweis zu Allergien        

Allergien sind eine Fehlfunktion des Immunsystems. Ein wichtiger Teil des Systems sind die überall im Körper vorkommenden Mastzellen. In ihrem Inneren befinden sich verschiedene Botenstoffe, z.B. das Histamin. Bei ­Allergikern wird das Histamin im Übermaß produziert und freigesetzt. Die unangenehmen Symptome wie Entzündungen, Juckreiz, Schnupfen, tränende Augen werden genannt. Antihistaminika verschreibt die Schulmedizin, die aber mitunter zu Kopfschmerzen und Magen-Darm-­Beschwerden führen können.         

Daher erfreulich: Im Labor konnte bereits nachgewiesen werden, dass Quitten die Histamin-Ausschüttung hemmen. Deutsche Forscher vom University Medical Center Freiburg haben 2016 untersucht, wie gut ein beim Menschen angewandter Quitten-Zitronen-Nasenspray anschlägt. Mal abgesehen davon, dass keine Nebenwirkungen beobachtet wurden, konnten die genannten Symptome bei den teilnehmenden Probanden deutlich gelindert werden (Bericht der Firma Weleda).          

Antonia Rose