Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,
Mehltau kann nicht nur Pflanzen befallen, sondern – wie das Sprichwort sagt – auch eine Organisation oder sogar ein ganzes Land mit einem Schleier der Resignation und Lähmung überziehen. Kommt man mit Menschen ein bisschen näher ins Gespräch, fällt einem schnell auf, dass die von der Politik immer wieder gebetsmühlenartig verkündeten „Wir schaffen das“- und „Es ist doch alles gar nicht so schlimm“-Parolen beim „Volk“ schon lange nicht mehr ankommen.
Die Menschen sind ob der nicht mehr zu verheimlichenden und ihren Alltag massiv beeinflussenden Probleme in eigentlich allen Lebensbereichen verunsichert und dazu noch zutiefst frustriert in ihrer gefühlten Ohnmacht, nicht nur nichts ändern zu können, sondern auch noch abgestraft und moralisch diskreditiert zu werden, wenn sie in bester Absicht Probleme ansprechen, nämlich um auf dem gesunden Menschenverstand und nicht auf ideologischem Wunschdenken basierende Lösungsvorschläge zu machen. Auch gibt es keine „guten“ oder „schlechten“ Demokraten, sondern man kann entweder Demokrat sein, also sich seinen Wählern und seinem Land verpflichtet fühlen, um in Rat und Tat das Bestmögliche für sie zu erreichen, oder man ist ein Despot, der nur in seiner eigenen Welt lebt, sich selbst für unfehlbar hält und allen Andersdenkenden keine besseren Argumente, sondern nur Verunglimpfungen entgegenschleudert oder sie einer vorgeblichen Desinformation beschuldigt. Das Leben hat den Autor unter vielen anderen diese beiden für ihn sehr wichtigen Erfahrungen gelehrt: 1. Dasjenige, das in Sonntagsreden am meisten betont wird, ist in der Praxis am wenigsten vorhanden – und 2. Alle Ideologien, gleich welcher Farbe oder Richtung, sprießen aus demselben Humus der Selbstüberhebung und Gottlosigkeit, denn wer sich keinem Gott – für Agnostiker oder konstruktive Atheisten: mindestens der Humanität – mehr verantwortlich fühlt, der geht buchstäblich über Leichen.
Aber Resignation ist der falsche Weg und führt immer weiter in den Sumpf hinein – gefragt ist vielmehr ein „frischer Wind“, der den grauen Nebel wegbläst, genauso wie eine sonnig-warme Wetteränderung die Vermehrung des Mehltaus an den Pflanzen stoppt und diese wieder neue gesunde Blätter treiben können. Wer aber soll diesen Wind entfachen, wenn nicht kritisch-konstruktive Bürger, die ihr Leben nicht von der Politik verwalten lassen wollen, sondern es wieder in ihre eigenen Hände und ihre eigene Verantwortung zu nehmen bereit sind?
Wer haucht den vielen nur noch „parzellenverwaltenden“ Vereinen in unserer Organisation neues Leben ein, damit sie wieder zu einer echten Gemeinschaft von Mitgliedern werden, die wie früher Freude und Leid miteinander teilen und sich gegenseitig unterstützen – einfach für einander da sind? Wer ist bereit, seine Talente ehrenamtlich in unsere Gesellschaft einzubringen, damit sie wieder „menschlich wärmer“ wird und wer tritt entschlossen und mit überzeugenden Argumenten allen Versuchen entgegen, andersdenkende Mitmenschen nicht als ernstzunehmende Diskussionspartner anzuerkennen, sondern sie auf dem Scheiterhaufen einer selbstgestrickten Pseudomoral zu verbrennen?
Wer, wenn nicht wir alle?
Das ist der Neujahrswunsch Ihres Landesfachberaters Harald Schäfer