Jeder Garten möchte pflegende Hände sehen

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,      

eine Gartensaison ist von vielen Faktoren abhängig, aber besonders dann, wenn wie in diesem Jahr 2024, die Witterung unser Eingreifen stark einschränkt, ist es entscheidend, die wenigen wetterbedingt günstigen Zeitfenster zu nutzen, um ungünstige Verläufe entweder zuvor vorausschauend abzumildern oder den entscheidenden Moment des Eingreifens zu erkennen und zu nutzen. – Und dazu müssen Gartenfreunde denn auch vor Ort sein.       

So wurden wir bereits im Frühjahr und nahezu durchgehend bis Juni, Juli, August durch die Natur mit ergiebigem Regen mit lokal mehr oder weniger kurzen Unterbrechungen bedacht. Stellenweise trockneten die Gartenbeete und Äcker kaum ausreichend ab, um eine zufriedenstellende Bodenvorbereitung in den Saat- und Pflanzbeeten zu erreichen. Arbeits-Aktivitäten bei zu feuchtem Boden rufen schnell Verdichtungen hervor, die negativ auf das Wachstum der Kulturen einwirken und das über die ganze Vegetationszeit. Tiefes Grubbern ab dem Spätherbst und Frostereignisse über Winter unterstützen die Lockerung des Gartenbodens und die Aufnahme reichlich fallenden Regens. Ein rechtzeitiger Start in den Anbau ist wegweisend für Erfolg.  Aber bei zu feuchten Böden leiden die Kulturen unter vermindertem Gasaustausch der Wurzeln, Nässe und Kälte bis in den Mai – oder sogar Juni – blockieren das Wachstum wärmeliebender Kulturen. Den unerwünschten Beikräuter kann weniger oft durch Hacken Einhalt geboten werden, da durch das Betreten der Beete sich wiederum weitere Verdichtungen aufbauen. Die explosive Vermehrung der Schneckenpopulationen macht von Beginn der Gartensaison an eine hohe Kontroll- und auch händische Maßnahmendichte erforderlich. Wer im Großen und Ganzen die Anforderungen im Griff hatte, konnte bei den meisten insbesondere heimischen Gemüsearten bisher sehr erfolgreich sein, nur meine persönlichen, Wärme liebenden Anbau-Projekte wie beispielsweise das mit dem japanischen Trockenreis gingen baden oder wurden durch die Beikraut-Konkurrenz ausgeschaltet.          

Weitere Beobachtungen konnten gemacht werden: Regelmäßige natürliche Wassergaben bewirken auf humusreicheren Böden durch eine erhöhte Aktivierung des Bodenlebens eine erhebliche Freisetzung an Nährstoffen, vor allem Stickstoff, und damit verstärktes Pflanzenwachstum. Nicht nur das unerwünschte Beikraut, sondern auch das eher heimische Gemüse oder das Austreiben der Gehölze war üppig und anhaltend. Pilz- und Bakterienkrankheiten konnten sich so umfangreicher und schneller ausbreiten. Was lokal in den Obstanlagen die Spätfröste überstanden hatte, erhielt enorme Wachstumsschübe aber auch starken Schorf- und Moniliabefall beim Kernobst und Fruchtfäule bei Steinobst; allein das Beerenobst hat zumindest mich persönlich nicht im Stich gelassen. Aber auch die Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, die sich mit dem Pflegeschnitt ihrer Gehölze auskennen, konnten über den Winterausgangsschnitt, den Juni-Riss und den Sommerschnitt, wirksam eingreifen, die Durchlüftung verbessern und so manches verhindern. Gegen Herbst wird es dann immer interessanter mit der Frage über die Lagerfähigkeit unserer Ernten. Manche Apfelsorten haben einen solch hohen Umsatz an Assimilaten, dass deren Einlagern in das Fruchtfleisch glasig-wässrige Spuren hinterlassen. Wie wird sich also die Abreife ab September entwickeln, kann sich das Gewebe von Obst und Gemüse in festere lagerfähige Strukturen entwickeln oder gibt es weitere regenbedingte Stickstoffschübe, die letztendlich eine vollständige Ausreife im zu erwartenden langen Herbst unterbinden. Bleiben Sie also aufmerksam „am Ball“, damit nicht irgendwelche Unterlassungen Ihrerseits unnötige Verluste der Erträge bewirken. Nutzen Sie auch Möglichkeiten des Konservierens und hier ist ja das einfachste die Verwendung einer Tiefkühltruhe, wobei auch hier einige Dinge zu beachten sind.         

Ihr Fachberater Jörg Gensicke