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Die Lehrfahrt der führenden Fachberater innerhalb des Landesverbandes der Gartenfreunde Baden-Württemberg hatte sich am Wochenende des 28. und 29. Juni ein vielseitiges Programm gegeben und so war der erste Halt am Ökologischen Lerngarten (ÖLG) der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. Der Lerngarten ist eine Einrichtung des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung. – Studierende lernen hier durch eigene Erfahrungen und Anschauung. Sie gestalten, säen, pflegen und ernten unter Begleitung der Lehrenden. Im praktischen Tun entstehen Interesse für die biologische Vielfalt sowie Fragen zu beobachtbaren Phänomenen.
Im Verlauf eines Gartenjahres lernen die Teilnehmer wie man nachhaltig gärtnert, wie Schul- und andere Lerngärten gestaltet, organisiert und in den Unterricht sinnvoll integriert werden können. Der Besuchstermin war gut gewählt, denn an diesem Tag hatten die Studierenden zahlreiche „Arbeitsstände“ vorbereitet, die den ab 10 Uhr eintreffenden Schulklassen mittels Spiel und Spaß Wissenswertes aus Natur und Garten näherbrachten. Der Autor selbst ließ sich denn auch zu einem bebilderten Quiz über Honig- und Wildbienen ein und konnte die Lehrenden in spe vollzufrieden stellen. Die Stände zogen sich durch den ganzen Lerngarten und die Studierenden befassten sich an den vorhandenen Gartenelementen detailreich mit den jugendlichen (und älteren) Besuchern. Genannt seien hier Kräuterspirale und Kräutergarten, Schnitt- und Landschaftshecken, Nutzpflanzenbeete, Staudenrabatten, Spindel-Obstbäume, Sinnesgarten, Ziergehölze, Schaubeete für nutzbare Wildpflanzen, Streuobstwiese, Trockenbiotop, Teich, Bachlauf, Staudenhügel, mitteleuropäischer Laubwald mit heimischen Frühblühern sowie Nisthilfen. Hinzu kamen noch Gewächshaus, Gerätehaus und ein Steinbackofen, welcher der Vermittlung einfacher Backrezepte diente. Während der Führung durch die Chefin, Frau Professor Dorothee Benkowitz, erfuhren die Gartenfreunde auch einiges über eingesetzte Studien und vernetzte Kooperationspartner wie beispielsweise die Schulgarten-Arbeitgemeinschaften. (https://www.ph-karlsruhe.de/campus/oekologischer-lerngarten)
Unser zweites Ziel waren die Gärten des Hofguts Holzmühle in Westheim Pfalz. Unser Fachberater Harald Schäfer war bereits hier gewesen und hatte diese nach den Regeln von „Natur im Garten“ erfolgreich zertifiziert. Die 1481 gegründete Holzmühle ist seit 250 Jahren in Familienbesitz, der Mühlenbetrieb selbst wurde in den 1990er Jahren eingestellt, aber die markanten Silos dienen noch immer der Getreidelagerung. Das Mühlengebäude wurde behutsam in ein Atelier – der Gärtner ist auch Ethnofotograf – und ein ethnologisches Museum umgebaut, das sich durch die Achtsamkeit auszeichnet, die es seinen Ausstellungstücken entgegenbringt. Denselben Respekt und tiefe Liebe zu Pflanzen strahlt auch der Garten aus: Gekonnt gewebte Gartenbilder aus heimischen und „exotischen“ Pflanzen, zurückhaltend unterstützt durch Kunst- und Kulturelemente, ein meditativ leise rauschender, neu angelegter Bachlauf, Teiche und untermalende Rasenflächen lassen die Besucher die Welt „draußen“ vergessen…
Und das eigentlich Unglaubliche: Dieser private Paradiesgarten – die kleine Pfauenschar gehört einfach dazu – wurde in nur 9 Jahren geschaffen und wird nur von einem Gärtner konzipiert und gepflegt! Ein Besuch lohnt sich mehrfach, denn auch ein Cafè ist angegliedert und einige wenige Gästezimmer vorhanden. In einem kleinen Shop sind Mühlenprodukte zu erwerben. Wir waren begeistert. https://www.hofgut-holzmuehle.de/die-gaerten/
Das Mitmachmuseum – „Nahe der Natur“ in Staudernheim, Rheinland-Pfalz, war unser drittes Ziel – Nahe der Natur (nahe-natur.com). Es wird geführt von der Familie Altmoos, die sehr flexibel und praxisnahe ihren Besuchern Ökologie und Artenvielfalt näherbringt. Aufmerksam wurde ich durch die schriftstellerische Tätigkeit von Herrn Altmoos, dessen Bücher: „Besonders: Schmetterlinge“, „Der Moosgarten“ und „Mehr Wildnis wagen“, ihr Thema sehr lebendig behandeln und im pala Verlag erscheinen. – Beschreiben lässt sich das Museum wie folgt: ‘Nahe der Natur’ (seit 2012) ist ein Ensemble der durchdachten Vielfalt … ein einzigartiger ORT der (Re)Naturierung berührender Wunder, im traumhaften Ambiente eines historischen und frei-wilden Steinbruch-Waldes am Ortsrand von Staudernheim (Nahe). Ein wissensreiches Modell , eine unabhängige Einrichtung für Naturschutz, ein Forum, eine Begegnungs- und Austauschstätte mit Rundblick und anregender Kreativität auch für andere Orte. Es ist eine Oase in der Zeit, in der Entschleunigung und Achtsamkeit angeregt werden; … ein kleiner aber vielfältiger BETRIEB, der Bildung, Inhalte und Engagement anbietet: Für einen freien und kreativen Naturschutz in aktueller Wissenschaft, für zielführende neue Ausstellungs- und Freiraumkonzepte, für Wissen, Offenheit, Toleranz, und Frieden – in Freiheit und vielfältig anregend lebendig. – Unser Besuch war sicherlich ein inspirierendes Erlebnis der besonderen Art.
Schon einmal in der näheren Umgebung meiner saarländischen alten Heimat, musste ich unsere Fachberater unbedingt in die größte Bundsandstein-Höhle Europas, nach Homburg/Saar führen. Ein künstlich gegrabener Höhlenkomplex im Bundsandstein, dessen aus einer bestimmten Schicht entnommener Sand zur Glasherstellung geeignet war. Wann es angefangen hatte, ist unbekannt; erste geschichtliche Erwähnungen fanden sich lange nach Grabungsbeginn in Schriften der Reunionszeit Ludwig XIV in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, was den eigentlichen geschichtlichen Hintergrund darstellt, verbunden mit den Aktivitäten Vaubin’s, dem Ausbau der über den Höhlen gelegenen Hohenburg zu einer Festung. Geradezu spannend beeinflussen die Mythen und Erzählungen über die Zeiten danach die Vorstellungskraft der Zuhörer; schließlich dem Verschwinden und Wiederentdecken der Höhlen und der weiteren Nutzung, insbesondere dem geplanten Werdegang durch die saarländische Regierung nach dem zweiten Weltkrieg, falls … was dann doch ganz anders verlief – Sie erinnern sich an die Wiederangliederung des Saarlandes an die BRD 1956 – und die Zeit danach bis heute. – Eine eindrucksvolle Führung und viele zum Schmunzeln anregende Anekdoten.Unser letztes Ziel bestand im Besuch des drittgrößten Rosengarten Deutschlands, nämlich in Zweibrücken/Pfalz, regionalhistorisch wie Homburg sehr interessant. Nachdem ich unserem Gartenführer mittgeteilt hatte, dass ich hier in einer bekannten Baumschule meine Lehre gemacht hatte, tauschten wir uns nicht nur kurz über alte Geschichten aus, nein, es schien mir, dass er in seiner Präsentaion zur Höchstform auflief. Wir begannen im Bereich der Dauerstandorte von Beet- und Strauchrosen, die Wege waren stellenweise von Rosenspalieren mit Kletterrosen überwachsen. Rosenstandort, Rosengesundheit wurden erläutert. Schließlich erreichten wir die Rosenwechselstandorte: denn dieser Rosengarten ist einer von 11 Rosengärten, die Rosenneuzüchtungen auf ihre Qualitäten prüfen, d.h. sichten. Nach drei Jahren werden die Sorten nach bestimmten Merkmalen „bonitiert“ und gegebenenfalls als ADR-Siegel-Rose anerkannt. Durch den ständigen Wechsel zum Anbau neuen Rosensorten müssen jedes Mal nach Rodung der Altbestände die Böden großzügig ausgetauscht werden; ich erinnere daran, dass keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Weitere Parkbereiche schlossen sich an, mit wechselnden Grünanlagen und unterschiedlichen Elementen. Auch die Gehölze und vor allem Stauden haben in der Geschichte des Gartens immer mehr Gewicht bekommen. Der Rosengarten soll für die Besucher stets Blühendes und Besonderheiten bieten können. Interessant ist, dass jeder der Mitarbeiter seine Ideen einbringen kann, diese werden besprochen und kreativ umgesetzt. Ein Besuch ist nur zu empfehlen. https://rosengarten-zweibruecken.de/
Jörg Gensicke