Gartenfreunde Oberrot e.V.

Obstbaumschnittkurs der Gartenfreunde Oberrot

Am 08.02.2025 fand unser diesjähriger Obstbaumschnittkurs statt. Es kamen interessierte Obstbaumbesitzer und Besitzerinnen aus der ganzen Umgebung, sogar aus Fichtenberg und Gschwend. Insgesamt durften wir 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. In der angenehmen Atmosphäre der Filzschule von Wollknoll in Neuhausen brachte uns zunächst unsere Fachberaterin Heidi Gromann mit verständlichen Worten und Bildern einige theoretische Grundlagen näher. Wir lernten von A wie Alternanz bis Z wie Zwerg-Bäumchen doch manches Wichtige. Die verschiedenen Obstsorten, nämlich Kernobst (Apfel, Birne, Quitte und Mispel), Steinobst (Kirsche, Sauerkirsche, Zwetschge, Aprikose, Reneklode, Pfirsich, Nektarine…), Schalenobst (Walnüsse, Haselnüsse…) und Beerenobst (Johannisbeere und Co) wurden besprochen. Zum Ausgang des Winters, im Januar/Februar, fangen wir bei frostfreien Temperaturen mit dem Winterschnitt beim unempfindlicheren Kernobst an. Grundsätzlich kann man Gehölze fast das ganze Jahr über schneiden; jedoch muss man wissen, wie der Baum darauf reagiert und ob es daher sinnvoll ist. Andererseits könnte auch der Bundesnaturschutz die Eingriffe zeitlich eingrenzen. Der Schnitt zum Winterausgang generiert das stärkste Wachstum – die gespeicherten Assimilate gleichen die entfernte Triebmasse bezüglich des Verhältnisses von Wurzel- und Kronenmasse durch einen stärkeren Austrieb aus; ein starker Rückschnitt bewirkt ein starkes Wachstum an Neuholz und geringerem Fruchtertrag – der Schnitt in der Vegetationszeit ab Ende Juli/Anfang August beruhigt das Wachstum, da infolge des dann herrschenden Hormonhaushaltes im Baum kein neuerliches Wachstum angefeuert wird. Vielmehr reduziert sich dadurch die Menge der für die übrige Vegetationszeit anfallenden und zu speichernden Assimilate und damit die Stärke des Austriebs im Frühjahr. Es wird nicht bei nassem Wetter geschnitten, es besteht sonst eine erhöhte Gefahr von Infektionen. Aus demselben Grund muss das Schnittwerkzeug desinfiziert werden, sobald man von einem Baum zum nächsten wechselt. Im Handel sind dafür verschiedene Präparate erhältlich, es reicht aber auch hochprozentiger Schnaps, in den man die Schere eintaucht. Es wurden verschiedene Schnittarten nach dem Alter der Bäume erklärt. Es gibt den Pflanzschnitt, der bei Obstgehölzen nahtlos in den Erziehungsschnitt übergeht, den Erhaltungsschnitt, der mit dem Verjüngungsschnitt zu vergleichen ist sowie den Fruchtholzwechselschnitt, der auf das Heranziehen neuen Fruchtholzes bedacht ist, bei Übergang der Wegnahme alten Fruchtholzes. Der Erziehungsschnitt dient dem Kronenaufbau und sollte immer sorgfältig durchgeführt werden. Wir haben gelernt, dass jeder Schnitt über einer Knospe eines einzelnen Triebes/einer Rute einen Saft-Stau verursacht, der wiederum den Austrieb dieser Knospe fördert. Werden mehrere Triebe über einer Knospe geschnitten, so gilt, dass die höchste Knospe am stärksten gefördert wird, also am stärksten wächst. Dies nennt man Apikaldominanz. Um beim Erziehungsschnitt eines jungen Gehölzes ein gleichmäßiges seitengleiches Verhältnis zu erreichen, sind beim Kernobst (Apfel) die drei (auch mal vier) Leitäste im Winkel zur Stammverlängerung entsprechend auszurichten (Winkel um 30°, mit Naturfaserschnur hoch- oder runterbinden; oder mit Gewicht flacher gestalten) und anschließend die Leittriebe auf gleicher Höhe (Saftwaage) über einer nach außen stehenden Knospe um etwa ein Drittel einkürzen. Zur Entwicklung einer gleichmäßigen Krone ist somit ein symmetrischer Schnitt erforderlich. Zu diesem Thema wurde auch die Scheitelpunktförderung erklärt: Man kann einen Trieb horizontal herunterbinden. Ist dieser nicht durchgehend flach und gestaltet einen Scheitelpunkt, wird die am nächsten gelegene Knospe am stärksten austreiben. Werden aufwärts treibende Neuruten (Schosser) in die Waagerechte gebracht, können bald Früchte tragende Jungäste (nach 1 – 2 Jahren) entstehen, die alte Fruchtäste ersetzen.    

Voll beladen mit viel theoretischem Wissen, begaben wir uns alle bei wunderschönem, sonnigem Wetter auf das Grundstück unseres Vorstandes. Hier fanden wir zahlreiche Obstbäume von A wie Apfel bis Z wie Zwetschge unterschiedlichen Alters vor. Karl Rieger und Heidi Gromann zeigten nun in kleineren Gruppen den Schnitt in der Praxis. Die Teilnehmer hatten auch Gelegenheit, selbst Hand anzulegen.  Alles in allem ein gelungener Kurs, bei dem alle Beteiligten viel Spaß hatten.    


Heidi Gromann, Oberrot