Ich habe einen Traum

 

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,  

nein, nichts liegt mir ferner, als mich mit Martin Luther King auf eine Stufe stellen zu wollen, aber auch von bescheidenen Träumen darf einmal berichtet werden. Aus Erfahrung erwarte ich allerdings nicht, dass die folgenden Zeilen von vielen gelesen oder gar viel bewegen werden – aber vielleicht regen sie doch diejenigen Mitglieder, Pächter und Funktionsträger, die sie tatsächlich lesen, ein bisschen zum Nachdenken an über die Veränderungen im zwischenmenschlichen Miteinander und in der „Vereinskultur“, besonders während der letzten Jahre.    

Und da ja für ein neues Jahr immer gute Vorsätze gefasst werden, bietet die folgende Wunschliste eine reiche Auswahl an Vorschlägen dafür…    

Ich habe den Traum,  

  • dass wieder mehr miteinander, statt über- oder gegeneinander geredet wird,
  • dass dem Gegenüber nicht gleich schon von vornherein eine böse Absicht unterstellt und auf Konfrontationskurs gegangen wird, sondern dessen Standpunkt bzw. seine Beweggründe zumindest wohlwollend überdacht werden,
  • dass Bestimmungen und Regelwerke nicht als Schikane und Einschränkung der eigenen Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten gesehen werden, sondern als „Fahrplan“ für ein gedeihliches Miteinander im Verein und in der Kleingartenanlage, der jedem Mitglied und Pächter denselben maximal möglichen Freiraum sichert,
  • dass das bei der derzeitigen Politik nachvollziehbare und leider begründet erscheinende Misstrauen gegenüber den Entscheidungen der Regierungsparteien nicht auch in unseren Vereinen zu einem generellen Infragestellen aller „Anordnungen von Oben“ führt mit den daraus resultierenden alles lähmenden Endlosdiskussionen, die zudem letztendlich meist auch völlig sinnlos sind, denn über Vertragsinhalte oder Bebauungspläne lässt sich ebenso wenig diskutieren wie darüber, ob man als Autofahrer vor einer roten Ampel anhalten muss oder nicht,
  • dass Mitglieder und Pächter endlich einmal verstehen, dass sie von ihren Vorständen nicht Dinge verlangen bzw. genehmigt bekommen wollen, die nach den für alle verbindlichen Vorgaben überhaupt nicht zulässig sind,
  • dass in unseren Mitgliedern und Pächtern die Einsicht reift, dass eine (Ab-)Mahnung wegen eines Fehlverhaltens oder von den Vorgaben abweichender Parzellenbewirtschaftung keine persönliche Schikane ist, sondern die den Verein vertretenden Vorstandsmitglieder gar nicht anders können, wenn sie nicht riskieren wollen, dafür selbst z.B. vom Grundstückseigentümer zur Verantwortung gezogen zu werden,
  • dass unsere Pächter alle Möglichkeiten ihres Kleingartens schätzen lernen – auch den Anbau von eigenem geschmackvollem gesundem Gemüse und Obst – und dankbar die doch recht wenigen Auflagen des Bundesklein­gartengesetzes erfüllen, … 
  • dass sich unsere Pächter den sehr weitgehenden Schutz des BKleingG vergegenwärtigen und alles dafür tun, diesen für sich auch zukünftig zu erhalten anstatt unbedacht immer mehr Freizeitnutzung einzufordern und damit den Fortbestand des BKleingG und damit auch den ihrer eigenen Parzellen zu gefährden,
  • dass Mitglieder, die der Ansicht sind, ihre Interessen gegenüber dem Verein mit Hilfe eines Rechtsanwaltes durchsetzen zu müssen, endlich einmal begreifen, dass dieses Vorgehen ihr eigenes Geld gleich zweimal kostet, denn das Geld, mit dem der Verein dann seinen Rechtsanwalt bezahlen muss, wird der Vereinskasse entnommen, die sie selbst mit ihren Mitgliedsbeiträgen gefüllt haben – auch wenn unser Vertrauensanwalt oft dankbar dafür ist, auf der Gegenseite eine professionell handelnde Anwaltspersönlichkeit als Ansprechpartner zu haben.
  • dass neue Mitglieder ungeachtet ihrer Herkunft mit offenen Armen in den Vereinen aufgenommen werden und ihre Kultur als Bereicherung empfunden wird, sie aber auch im Gegenzug die Vorteile des Vereins anerkennen und sich nach ihren Möglichkeiten aktiv einbringen,
  • dass die vielen Empfehlungen und Musterschriftsätze des Landesverbandes sowie seine wenigen Vorgaben wie die Wertermittlungsrichtlinien von Funktionsträgern, Mitgliedern und Pächtern nicht als überflüssiger Papierkram oder gar belastende Schikane empfunden werden, sondern als das, was sie gedacht sind, nämlich als Unterstützung zur möglichst rechtssicheren Führung des Vereins, als Grundlage für ein gedeihliches Miteinander im Verein und in der Anlage und als Arbeitshilfe bei der Zukunftssicherung der Kleingartenanlage,
  • dass den Funktionsträgern in den Bezirksverbänden und Vereinen immer bewusst ist, dass die Geschäftsstelle des Landesverbandes über 320 Vereine in 22 Bezirksverbänden betreut und dass sie die in diesem Jahr erheblich erweiterten Weiterbildungsangebote des Landesverbandes nutzen, damit sich die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle zusammen mit unseren Vertrauensanwalt auf die Unterstützung bei wirklich komplexen Fällen konzentrieren können,
  • dass unsere Vereine wieder zumindest ein Stück weit das werden, was sie früher einmal waren: Orte einer tragenden Gemeinschaft, in der jedes Mitglied sein Wissen und Können einbrachte, um die gemeinsamen Ziele zu verwirklichen, und
  • dass ich dann wieder für diejenigen Aufgaben mehr Zeit habe, für die ich damals vom Landesverband eigentlich eingestellt wurde, nämlich unseren Mitgliedern und Pächtern das Staunen über die Schöpfung und die Freude am Gärtnern nahezubringen.  

Ihr Fachberater Jörg Gensicke