Ausgezeichnet wurden 7 Gärten, die dem Hohenloher Gartennetzwerk angeschlossen sind: Der Lehr- und Schulungsgarten „Fürstin Theresa“ in Kupferzell; der private Garten „In der Baindt“ in Weikersheim; der Schlosspark Weikersheim; der Archaeologie Garten Langenburg-Unterregenbach (ein Geheimtipp für landesgeschichtlich Interessierte); der Klostergarten in Rothenburg ob der Tauber; der Schau- und Lehrgarten des Regionalmarkts Hohenlohe Wolpertshausen der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, der auch in Kooperation mit einer Schule als „Grünes Klassenzimmer“ genutzt wird und der Garten des Hofgutes Holzmühle in Westheim/Pfalz. Die Urkunden und Plaketten wurden in Anwesenheit des Initiators und Schirmherrn des Gartennetzwerkes, seiner Durchlaucht Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, von der Staatssekretärin a.D. Friedlinde Gurr-Hirsch, Präsidentin Diana Schindler und dem Geschäftsführer Andreas Dürr überreicht und die Gärten den Gästen in einer kleinen Präsentation vorgestellt. Als kleine „Zugabe“ konnte die Besitzerin des ersten ausgezeichneten Privatgartens in Ilsfeld, die auch unter den Gästen war, mit einem Bild von der Urkundenübergabe überrascht werden. Sie bedankte sich für diese Geste mit der Aufforderung an die Anwesenden, auch ihre Privatgärten zertifizieren zu lassen – die Zertifizierer würden nicht beißen…
Ein zweiter Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Jens Spanier, dem Vorsitzenden der Stiftung Schloss Dyck in Jüchen, NRW, der als Referent die Auswirkungen des Klimawandels speziell auf Parkbäume beleuchtete:
Viele Parks zeichnen sich durch einen alten Baumbestand auch mit „Exoten“ aus, die zunehmend unter der Trockenheit und dem damit verbundenen Absinken des Grundwasserspiegels leiden. Mit intensiverer Baumpflege wird zwar versucht, das langsame Absterben zumindest hinauszuzögern, aber viele Bäume müssen schließlich auch aus Sicherheitsgründen zum Schutz der Besuchenden gefällt werden. Dazu kommt noch die zunehmende Häufigkeit von Sturmereignissen, die zusätzliche Lücken in den Altbestand reißen. Wie beim Wald, so wird sich auch das Gesicht vieler Parks in den nächsten Jahrzehnten deutlich verändern.
Es konnten nicht nur „gute Gespräche geführt“, wie oft in Protokollen unverbindlicher Smalltalk umschrieben wird, sondern wirklich fruchtbare Kontakte geknüpft werden, die unseren Verband vor allem bei der Öffentlichkeitsarbeit weiterbringen werden. Nachmittags durften wir auf einem Logenplatz – dem Balkon im Innenhof des Schlosses – die Eröffnung der 18. Fürstlichen Gartentage durch den Hausherrn Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, den Veranstalter Martin Lohde und die neugewählte Bürgermeisterin von Langenburg, Petra Weber, miterleben. Anschließend hob Friedlinde Gurr-Hirsch in ihrem Grußwort die Bedeutung der Gärten für die Erhaltung der Biodiversität in Baden-Württemberg hervor, stellte unser neues Zertifizierungsangebot vor und ermunterte die Ausstellungsbesuchenden, ihre Gärten naturnah zu gestalten – und ihn als Belohnung dann mit einer Plakette zu schmücken.
Drei der ausgezeichneten Gärten sollen kurz beschrieben werden, da sie sich als lohnende Ziele für einen Vereinsausflug oder eine Lehrfahrt anbieten:
Wenn man auf der Autobahn A6 unterwegs ist, bietet sich ein gärtnerischer und kulinarischer Abstecher in den Regionalmarkt Hohenlohe neben der Autobahn in Wolpertshausen geradezu an (https://regionalmarkt-hohenlohe.de/reisegruppen).
Der kreuzförmig angelegte mittlere Teil mit seinen tatsächlich noch grünen Buchseinfassungen kann als modern interpretierter Bauerngarten mit zentral gelegenem Pavillon interpretiert werden, östlich davon liegen fächerförmig ausgerichtete, vorwiegend mit Stauden bepflanzte Beete. Den westlichen Abschluss des Schaugartens bildet eine Beerenobstpflanzung. In den Staudenbeeten wird mit erfrischend lockerer Hand gepflegt und auch sich nach eigener Wahl ansiedelnde Pflanzen werden in den geplanten Bestand integriert, was zu ebenso reizvollen wie ökologisch wertvollen Kombinationen führt – eine Art „Semi-Blackbox-Gardening“. Es wird wohl kaum andere Rastmöglichkeiten an den deutschen Autobahnen geben, bei denen man sich so „ganzheitlich“ regenerieren kann wie hier.
Der Park hinter dem Schloss in Weikersheim wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als typischer Barockgarten von Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim angelegt. Sein zentraler Teil ist der formal angelegte Lustgarten mit Brunnen und Orangerie, in der nach einem Inventar von 1845 bereits viele Exoten wie Ananas, Kaffee, Ingwer und eine Citrus-Sammlung kultiviert wurden (https://www.schloss-weikersheim.de/besuchsinformation/fuehrungen-veranstaltungen). Die Pflanzenvielfalt wie auch der Pflegezustand der Einjährigen-Beetpflanzungen sind beeindruckend, das absolute Highlight für den Autor war jedoch der südöstlich zwischen Stadtpark und Stadtmauer gelegene Küchengarten mit seiner stimmigen Kombination von Gemüse- und Zierpflanzen. Auch die gelungene Kombination von Gemüsepflanzen mit „optischer Qualität“ wie buntstieligem Mangold oder rotblättrigem Grünkohl und den Kunstwerken im Stadtpark zeigt, welche meist unbeachteten Schätze im Gemüsebeet wachsen.
Zum Besuch des dritten Gartens muss man den Rhein überqueren, denn der Garten des Hofgutes Holzmühle liegt in Westheim/Pfalz – ein Beweis dafür, dass Gartenkultur keine Grenzen kennt (https://www.hofgut-holzmuehle.de/die-gaerten/)
Dieser private Garten wurde auf dem Betriebsgelände einer ehemaligen Getreidemühle angelegt, deren Silogebäude markant aus der Rheinebene herausragen. Die Betriebsgebäude selbst wurden behutsam in ein Atelier – der Gärtner ist auch Ethnofotograf – und ein ethnologisches Museum umgebaut, das sich durch die Achtsamkeit auszeichnet, die es seinen Ausstellungstücken entgegenbringt. Denselben Respekt vor der Schöpfung und die tiefe Liebe zu Pflanzen strahlt auch der Garten aus: Gekonnt gewebte Gartenbilder aus heimischen und „exotischen“ Pflanzen, zurückhaltend unterstützt durch Kunst- und Kulturelemente, ein meditativ leise rauschender neu angelegter Bachlauf, Teiche und untermalende Rasenflächen lassen die Besucher die Welt „draußen“ vergessen… Und jetzt das eigentlich Unglaubliche: Dieser „Paradiesgarten“ – die kleine Pfauenschar gehört mit dazu – wurde in nur 9 Jahren geschaffen und wird nur von einem Gärtner konzipiert und gepflegt!
Harald Schäfer