Rechenschaft statt Sippenhaft

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,
Seit sich der Autor intensiver in rechtliche Themen eingearbeitet und auch schon die Ergebnisse einiger Gerichtsverfahren auf den Schreibtisch bekommen hat, ist er auf eine interessante Entwicklung gestoßen, die unscheinbar begann und in letzter Zeit wirklich groteske Ausmaße angenommen hat:
Weniger diejenigen, die sich – neutral formuliert – neben den Regeln oder dem gesellschaftlichen Grundkonsens („Das tut man nicht“) ihren eigenen „Verhaltenskodex“ schaffen und ausleben, erfahren eine so „nachhaltige“ Belehrung, dass sie sich zukünftig „konform“ verhalten oder werden bei schweren Fällen durch geeignete Maßnahmen daran gehindert, ihr Fehlverhalten noch einmal auszuüben – nein: Es wird die ganze Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt und mit Einschränkungen und Kontrollen gegängelt – früher nannte sich das „Sippenhaft“.

Weder Messer, noch Böller, über Nacht „gewachsene“ Lauben oder gegen die Vorgaben des Bebauungsplans errichtete Geräteschuppen sind doch das Problem, sondern die Menschen dahinter und daher sind die derzeitige „Verbieteritis“ und alle Versuche, mit noch mehr Gesetzen und Überwachung gegen diese gesellschaftlichen Auflösungsprozesse vorzugehen – und nichts anderes ist diese Entwicklung – von vorneherein zum Scheitern verurteilt, denn wer schon gegen bestehende Regeln verstößt, wird auch verschärfte nicht respektieren.

Pächter, die ihre eigenen Vorstellungen auf ihrer Parzelle ausleben wollten, gab es zu allen Zeiten, allerdings mit dem Unterschied, dass früher die meisten von diesen irgendwann einlenkten, spätestens dann, wenn ihnen klar gemacht wurde – auch ohne das Zitieren von Paragraphen – was geschehen würde, wenn sich alle so verhalten würden. Und dann kam der unvergessene Tag, an dem der Autor zum ersten Mal mit der Frage konfrontiert wurde: „Wo steht das?“.
Und genau diese Frage ist der Grund für den Gesetzes-Wildwuchs im Land und dafür, dass unsere Musterschriftsätze mit jeder Neufassung wieder ein paar Seiten länger werden, denn sie zwingt dazu, auch das, was früher „gesellschaftlicher Grundkonsens“ und damit selbstverständlich war, nun in Gesetze zu gießen.

Die eine solche Frage stellende Person beweist damit, dass sie entweder die „Spielregeln“ der Gemeinschaft, in der sie sich bewegt und von der sie lebt, (noch) nicht verstanden hat – oder diese gar nicht verstehen will und sich ihre eigenen Regeln auf Kosten eben dieser Gemeinschaft schaffen will.
Wir müssen uns endlich der Realität stellen, dass unser Land und unsere Gesellschaft an einem Scheideweg stehen: Entweder wir schaffen es gemeinsam, einen neuen modus vivendi – also eine allgemein akzeptierte Art und Weise des Zusammenlebens – zu definieren, die natürlich „bunt“ sein wird, oder unsere Gesellschaft wird zerfallen, dagegen werden auch nicht noch mehr Gesetze helfen. Und die Geschichte nicht nur unseres Landes lehrt, dass gesellschaftliche Zerfallsphasen fast immer der Humus für menschenverachtende Diktaturen waren, ganz gleich welcher Farbe.

Auch unsere Vereine werden ohne das Bewusstsein, dass alle Mitglieder in einem Boot sitzen (in dem aber nicht die einen rudern, während die andern angeln!), sterben, weil sich keine Ehrenamtlichen mehr finden, die bereit sind, ihre unwiederbringliche Lebenszeit dem vergeblichen Bemühen zu opfern, der Besatzung klar zu machen, dass wirklich alle in dieselbe Richtung rudern müssen, wenn das Boot vorankommen soll.
Als Resultat werden Kleingartenanlagen entweder aufgelöst oder teuer „professionell“ verwaltet werden müssen mit der Folge, dass nicht nur die historisch gewachsene basisdemokratische Selbstverwaltung und damit eine gesellschaftlich wichtige „Demokratieschule“ wegbrechen wird, sondern Kleingartenparzellen für Menschen mit geringem Einkommen unerschwinglich werden – und damit verliert auch das Bundeskleingartengesetz seine Berechtigung.
Wollen wir einmal von unseren Kindern und Enkeln gefragt werden, warum wir das geschehen ließen?

Wer, wenn nicht wir alle?
Das ist der Neujahrswunsch Ihres Landesfachberaters Harald Schäfer

Auch unsere Vereine werden ohne das Bewusstsein, dass alle Mitglieder in einem Boot sitzen (in dem aber nicht die einen rudern, während die andern angeln!) sterben, weil sich keine Ehrenamtlichen mehr finden, die bereit sind, ihre unwiederbringliche Lebenszeit dem vergeblichen Bemühen zu opfern, der Besatzung klar zu machen, dass wirklich alle in dieselbe Richtung rudern müssen, wenn das Boot vorankommen soll.

Als Resultat werden Kleingartenanlagen entweder aufgelöst oder teuer „professionell“ verwaltet werden müssen mit der Folge, dass nicht nur die historisch gewachsene basisdemokratische Selbstverwaltung und damit eine gesellschaftlich wichtige „Demokratieschule“ wegbrechen wird, sondern Kleingartenparzellen für Menschen mit geringem Einkommen unerschwinglich werden – und damit verliert auch das Bundeskleingartengesetz seine Berechtigung.

Wollen wir einmal von unseren Kindern und Enkeln gefragt werden, warum wir das geschehen ließen?


Harald Schäfer,
Landesfachberatung