Der Januar ist für viele Hobbygärtner eine willkommene Auszeit von der Gartenarbeit. Endlich ist mal nichts Wichtiges zu tun. Man kann sich ein bisschen ausruhen, schauen wie Schnee den Garten verzaubert und alles schläft. Oder doch nicht so ganz? An den Haselsträuchern zum Beispiel machen sich die Blütenkätzchen aufbruchbereit. Zwar hängen sie noch geschlossen an den Zweigen, doch wird es nur ein bisschen wärmer, lockern sie sich.
Als Kätzchen bezeichnet man die von mancherlei Gehölzen, Haseln, Erlen, Pappeln, Birken, Hainbuchen, Eichen als den bekanntesten, angelegt als Ähre oder Traube seit dem vorigen Sommer. Schon damals entstanden große männliche Kätzchen und recht kleine weibliche, weibliche getrennt von den männlichen, jedoch am selben Strauch oder Baum. Man nennt dies getrennt geschlechtlich einhäusig. Monate blieben die Kätzchen kurz und dicht geschlossen, doch jetzt werden sie immer länger, lockerer und bekommen Farbe. Haselkätzchen sind früh dran, stäuben als erste. Mitunter schon im Januar, wenn das Wetter danach ist, färben sie sich gelb, Erlen im Februar rötlich oder violett, Grauerlen im April grün, alle zum Leidwesen von Pollen-Allergikern.
Die Kätzchen werden etwa 5-10 cm lang und bestehen aus vielen einfach gebauten männlichen Blüten. Weibliche Blüten sind meist winzig. Bei der Hasel bestehen sie aus nur wenigen roten Narbenästen. Wind treibt den Pollen zu den weiblichen Blüten, während Insekten praktisch unbeteiligt sind. Es sei denn, dass es sich um eine Palmweide, botanisch Salix caprea handelt. Die wächst allerdings zweihäusig. Männliche und weibliche Blüten erscheinen auf verschiedenen Sträuchern. Der männliche Part, Salix caprea mas, hat die bekannten erst pelzig-weißen Blütenstände, die viel zum Namen Kätzchen beigetragen haben und gelbpuschelig aufblühen. Sie sind als frühe Honig- und Nektarspender wichtig für Bienen und andere Insekten, daher ihr Abschneiden verboten.
Die Kätzchen von verschiedenen Gehölzen sind nutzbar, und zwar sowohl zu Heilzwecken wie als Nahrung. Sie enthalten reichlich Proteine, Minerale, Vitamine, Gerbstoffe, ätherische Öle und andere heilsame oder schmackhafte Stoffe. Das alles kann fiebersenkend und schweißtreibend wirken sowie den Stoffwechsel anregen, macht sich im Essbaren allerdings etwas herb bemerkbar. Das Wissen davon ist nicht etwa ganz was Neues, sondern überliefert Man muss die Kätzchen sammeln, bevor sie stäuben, denn danach fallen sie bald als Ganzes ab. Sie lassen sich zu Mehl mahlen, Brot und anderen Backwaren zusetzen oder anderweitig verarbeiten, auch als Zutat zu Brotaufstrich, Suppen und weiterem. Allerdings sollten Allergiker sich eher zurückhalten. Wer sich im Internet kundig macht, findet viele verlockende Rezepte, die veranlassen, dass man Kätzchen nun mit ganz anderen Augen betrachtet.
Ilse Jaehner