Schwarzer Holunder – Heilpflanze des Jahres 2024

Was sagte Hippokrates, der Stammvater der abendländischen Medizin, über Holunder? Er empfahl, Holunder aufgrund seiner heilenden Eigenschaften und seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in jede Hausapotheke aufzunehmen, ja, er sei die „Hausapotheke“ schlechthin.

Seit vielen Jahrhunderten besitzt der schwarze Holunder eine mythologisch wichtige Bedeutung. Bei den Germanen war er der Lebens- und Sippenbaum. Die Kelten verehrten ihn als heiligen Baum. Er verkörperte die Unendlichkeit des Lebens. Als Heilpflanze hat der schwarze Holunder (lat. Sambucus nigra) eine lange Tradition. Bereits in der Antike galt er als universell einsatzbare Arzneipflanze. Im alten Griechenland  verwendete man die reifen Beeren als harntreibendes und abführendes Arzneimittel. Erst viele Jahre später erkannte man, dass die Beeren auch bei Fieber und Infekten der Atemwege hilfreich eingesetzt werden konnten. Im Mittelalter war der Holunder fester Bestandteil der Volksmedizin. Im Jahre 1651 waren bereits über 70 Krankheiten bekannt, die sich mit Holunder heilen ließen. Arme Leute hatten zumeist weder Zugang zu Arzneien, noch waren diese erschwinglich und so erwies sich der Holunder als „Herrgottsapotheke“. Sebastian Kneipp schließlich schätzte die Beeren sehr und empfahl sie zur Blutreinigung bei alten Menschen. Im Frühjahr geben sich Holunderbüsche alle Mühe, bemerkt zu werden. Ihr Duft ist betörend und die weißen Blüten „schneien“  im Mai und Juni auf Auen, Wiesen und am Waldesrand.

Bereits die Holunderblüten enthalten wertvolle Inhaltstoffe:

• Flavonoide (Pflanzenstoffe, die eine schleimlösende Wirkung haben)

• ätherische Öle (regen die Schleimsekretion an)

• Gerbstoffe (lindern Entzündungen, verbessern die Durchblutung)

• Phytosterine (essentielle Bestandteile menschlicher Zellmembranen)

• Schleimstoffe (wirken reizmildernd und schleimhautschützend).

Zwar nennt der Volksmund die Früchte „Beeren“. Genau genommen sind es aber Steinfrüchte. Der Artname „nigra“ bedeutet schwarz und bezieht sich auf die Farbe der Früchte. Die Holunderbeeren entwickeln sich bis zum Spätsommer aus den großen, selbstfruchtbaren Doldenblüten. Spätestens wenn sich verstärkt hungrige Amseln und andere Vögel in den Zweigen tummeln, sind die Beeren reif. Wichtiger Hinweis: Ernten Sie nur die glänzend blauschwarzen Beeren, in allen grünen Pflanzenteilen, wie unreife Beeren, Blätter und Rinde, steckt das blausäurehaltige Gift Sambunigrin, das zu Durchfall und Erbrechen führen kann. Reife Früchte sind weitgehend giftfrei, aber es empfiehlt sich trotzdem das Erhitzen auf 80 Grad sowie die spätere Verarbeitung zu Saft, Gelee oder Punsch. Beim Erhitzen verdampft die Blausäure glücklicherweise. Schwarzer Holunder gehört zu den ältesten und vielseitigsten Heilpflanzen. Reich an den Vitaminen A, B, C und Folsäure enthalten die Früchte dazu die sekundären Pflanzenstoffe Biophenole, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Sie weisen ein breites Spektrum biologischer Aktivitäten auf: Als erstes sind zu nennen die wichtigen entzündungshemmenden Wirkungen, die dazu beitragen, chronische Entzündungen im Körper zu reduzieren. Davon ist eine Vielzahl von Krankheiten betroffen wie Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes usw. Holunderbeeren enthalten ferner das Flavonoid Quercetin. Dieser Inhaltsstoff trägt zur Senkung des Histaminspiegels bei. Histamin gehört zu den körpereigenen Gewebshormonen.  Bei einer übermäßigen Freisetzung reagieren manche Menschen mit allergischen Beschwerden, wie z.B. mit starken Juckreizen. Anthocyane wie Sambucyanin und Sambucin sind wasserlösliche Farbstoffe und verleihen den Früchten die dunkle Farbe. Sie wirken stärkend auf das Herz-Kreislauf-System und unser Immunsystem. Nicht zu vergessen ist auch der beträchtliche Anteil an Eisen und Kalium. Die Blüten finden Verwendung in Tees, Blütensekt, Blütenbowle oder als Holunderküchlein. Aus den Beeren kann Saft, Gelee, Likör und vieles mehr zubereitet werden. 

Antonia Rose

Rezept mit Holunder

 12 Holunderblüten-Dolden

• 150 g Mehl

• 3 Eier (Eigelb und Eiweiß  trennen)

• 200 ml Milch

• 200 ml Wasser (alternativ Weißwein)

• Vanillezucker/Zucker nach Geschmack

Mehl, Eigelb, Milch und Wasser zu einem Teig verrühren. Eiweiß mit Zucker steif schlagen und unterheben. Blütendolden einzeln in den Teig tauchen und in Öl ausbacken.