Deutschlandweit kommt er in den tendenziell wärmeren, südlichen Bundesländern häufiger vor. Nachgewiesen wurde er bereits in allen Bundesländern. Der Schwarze Rindenbrand des Kernobstes wird von Pilzen aus der Gattung Diplodia hervorgerufen. Diese ist sehr artenreich: es werden weltweit mehr als 1.200 Arten aus unterschiedlichen Pflanzenordnungen beschrieben. Am Apfel werden zehn Diplodia-Arten genannt, von denen sechs in Deutschland nachgewiesen wurden. Sie scheinen sich nach bisherigem Kenntnisstand nicht grundlegend zu unterscheiden. Alle Arten benötigen zur Infektion zwingend eine Nässephase (Regen, hohe Luftfeuchtigkeit) von 5 bis 13 Stunden und das Vorhandensein von Verletzungen. Die Verbreitung erfolgt über Wasserspritzer. Der Pilz überdauert in Infektionsstellen und Fruchtmumien. Somit schützt eine gesunde Rinde vor einem Befall. Von einer bodenbürtigen Lebensweise oder Überdauerung ist nicht auszugehen. Bisherige Beobachtungen lassen vermuten, dass Pilze der Gattung Diplodia endophytisch im Kernobst vorkommen. Endophyten sind Organismen, die Pflanzen besiedeln ohne Symptome hervorzurufen (latente Besiedlung). Geraten die Bäume jedoch unter Stress, besteht die Gefahr, dass die Schaderreger von der endophytischen Besiedlung in eine pathogene Lebensweise umschalten und zu Krankheitssymptomen führen.
Eine Rindeninfektion mit Pilzen des Schwarzen Rindenbrandes kann zunächst symptomlos verlaufen und erst in einer Stressphase des Baumes (Trockenheit, hohe Temperaturen, Nährstoffmangel, Fraßschäden, Risse, Schäden jeglicher Art etc.) ausbrechen. Bei hohen Temperaturen (Optimum zwischen 25 und 30°C) entwickelt sich der Pilz besonders schnell. Namensgebendes Symptom ist eine schwarz bis dunkelbraun verfärbte, leicht eingesunkene Rinde. Häufig findet man Rindenrisse oder Verletzungen in der unmittelbaren Umgebung der Verfärbung. Löst man an der Befallsstelle die Rinde, ist das darunterliegende Kambium dunkel verfärbt und somit tot. Neben den Rissen, Verletzungen und Sonnenbrandschäden sind Luftwurzelfelder (Adventivwurzeln) auf der Rinde bevorzugte Eintrittspforten für den Schadpilz. Liegt eine schwarze Verfärbung dieser Luftwurzeln mit Übergang in die Rindenpartie vor, ist von einem Befall auszugehen. Mit Voranschreiten der Infektion bilden sich warzige Strukturen auf der Rinde, die aufreißt und schließlich schwarze Fruchtkörper des Pilzes sichtbar werden. Bei Feuchtigkeit entlassen diese Fruchtkörper ihre Sporen. Schließlich kann sich die Borke bei fortschreitendem Befall vollständig ablösen. Der Holzteil liegt dann vollständig frei, ist meist schwarz verfärbt, weist eine würfelartig eingerissene Struktur auf und überwallt nur schlecht. Das letzte Stadium hinterlässt den Eindruck, als wäre der Schadbereich einer offenen Flamme ausgesetzt gewesen. Betrachtet man den Stammquerschnitt eines befallenen Baumes ist eine Braunfäule des Holzes sichtbar. Besonders gefährdet sind Jungbäume: Hier kann der Rindenbrand schnell stammumfassend werden, was zum Absterben der Bäume führt.
Blattsymptome sind selten zu beobachten. Charakteristisch sind braune Blattflecken, die scharf zum gesunden (grünen) Gewebe abgegrenzt sind. Mit fortgeschrittenem Befall laufen die Blattflecken zusammen, manchmal bilden sich in ihnen schwarze Fruchtkörper des Pilzes. Sehr viel häufiger ist ein Fruchtbefall. An Früchten, die in die Abreife übergehen, kommt es im Bereich von kleinen Verletzungen zur Braunfäule. Unter der Fruchtschale entwickeln sich innerhalb der Fäule Pyknidien, die als kleine schwarze Punkte sichtbar werden. Schließlich fault die Frucht vollständig und verbleibt als Mumie im Baum. Diese Fruchtmumien bilden neben den Diplodia-Cankern im Frühjahr ein großes Sporenreservoir. Aber nicht nur Pilze aus der Gattung Diplodia führen zu Rindenbrand-Symptomen, so dass es gelegentlich zu Verwechselungen mit anderen Schaderregern kommen kann.
Um die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber einer Infektion zu erhöhen, sollten die Bäume bestmöglich mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Hier spielt die Standortwahl eine entscheidende Rolle. Es sollten möglichst Standorte mit guter Wasserversorgung, tiefgründigen Böden und in hängigem Gelände Nordhänge gewählt werden. Verletzungen, die durch Anfahren, Anbinden und Baumpflegemaßnahmen verursacht werden, sind zu vermeiden. Außerdem sollte bei jungen Bäumen ein Wildverbissschutz angebracht werden. Ein Weißanstrich von Stamm und stärkeren Ästen scheint Infektionswege infolge Sonnenbrandschäden und Frostrisse zu verhindern. Auch die Sortenwahl entscheidet über eine Infektion: So sind Topaz (hohe Luftwurzelausbildung), Glockenapfel, Gewürzluike, Hauxapfel und weitere besonders anfällig. Dagegen sind Brettacher, Bittenfelder, Jakob Lebel, Winterrambur, Rheinischer Bohnapfel, Rewena, Delia und Enterprise widerstandsfähiger gegenüber dem Schwarzen Rindenbrand. Jedoch können auch widerstandsfähige Sorten unter ungünstigen Bedingungen befallen werden. Klar ist: Auf trockenen Standorten, in heißen Lagen, an Südhängen, auf flachgründigen Böden, bei mangelnder Nährstoffversorgung in Kombination mit fehlender Düngung und Verzicht auf geeignete Präventionsmaßnahmen ist der Befall hoch.
Das Ausschneiden von Befallsstellen und die Behandlung der dabei entstehenden Wunden kann für wertvolle Einzelbäume eine sinnvolle Maßnahme sein. Sie ist jedoch sehr arbeits- und zeitaufwendig. Unsere derzeitige Empfehlung ist ein Ausschneiden nur bei wüchsigen Bäumen in der Zeit von Mai bis Juli und bei Sorten vorzunehmen, die nicht zur Luftwurzelbildung neigen. Wichtig wäre dabei ein sauberer Schnitt am Wundrand, um die Kallusbildung anzuregen. Anschließend sollte ein Ausbrennen der Wunde (Kauterisation) oder eine Wundversorgung mit einem Lehmverband erfolgen. Doch kann noch keine abschließende Bewertung dieser Maßnahmen erfolgen. Auch ist der Schwarze Rindenbrand in ganz Baden-Würt-temberg verbreitet, so dass eine Übertragung jederzeit stattfinden kann.
Fachberatung Jörg Gensicke
Quelle: Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg
https://ltz.landwirtschaft-bw.de/,Lde/Startseite/Arbeitsfelder/Pilz_Krankheiten