|
|
Im Innenteil der Februarausgabe von Haus & Garten wurde bereits von der Mitgliedschaft unseres Landesverbandes bei der niederösterreichischen Naturgartenorganisation „NATUR im GARTEN“ (NiG) ab diesem Jahr berichtet.
Seither hat sich einiges getan: 16 Interessierte, darunter 3 Präsidiumsmitglieder und viele Fachberater haben sich mittels einer Webinar-Reihe zu NiG-Gartenzertifizierern ausbilden lassen und Anfang Mai in Tulln bei Wien ihre praktische Prüfung in den Gärten Tulln absolviert, dem in einen Gartenpark umgewandelten Gelände der österreichischen Bundesgartenschau 2008.
Und obwohl noch keine Werbung für die Gartenzertifizierung erfolgte, stehen auf der Anmeldeliste bereits 17 Gärten – 7 private, 2 Lehr- und 8 Schaugärten bzw. Parks. Die Schaugärten sind Mitglieder des Hohenloher Gartenparadieses (hohenloher-gartennetzwerk.de) und erhalten ihre Plaketten in einem würdigen Rahmen, nämlich am Freitag, den 01. September, bei der Eröffnung der Fürstlichen Gartentage auf Schloss Langenburg.
Etwas bescheidener feierten wir schon am Sonntag, den 02. Juli, im Garten der Landesverbandsgeschäftsstelle die Überreichung der Zertifiziererausweise. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die „Ehrenplakette“ enthüllt, die Ehrenpräsident Klaus Otto von der NiG-Geschäftsführerin Christa Lackner in Tulln überreicht bekam als Dankeschön für seine Unterstützung der NiG-Mitgliedschaft des Landesverbandes.
Die gärtnerischen Voraussetzungen für eine NiG-Naturgartenzertifizierung wurden bereits im Februar-Bericht aufgezählt, einschließlich etlicher Tipps, wie Natur und Optik in Einklang gebracht werden können, so dass hier nur noch die drei Kernkriterien wiederholt werden: Keine Verwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und Dünger sowie der Verzicht auf Torf als „Bodenverbesserungsmittel“ im Garten. Ganz wird man als Freizeitgärtner dem Torf vorläufig nicht entfliehen können, da zugekaufte Pflanzen aus kulturtechnischen Gründen bis jetzt noch immer in torfhaltigen Substraten produziert werden, wobei bei vielen Kulturen bereits eine Torfreduzierung von 50 % erreicht wurde. Im Substratangebot der Gartenmärkte finden sich schon torffreie Substrate, die mehr sind und können, als teuer verpackter Grüngutkompost; mit etwas Anpassung des Gießverhaltens – mäßig aber regelmäßig – funktionieren sie auch bei grünen Sensibelchen. Die Kriterienliste und weitere Informationen – auch zur Vereinbarkeit des Naturgartengedankens mit der Kleingärtnerischen Nutzung – sind in der neuen NiG-Unterseite der Landesverbands-Homepage (https://gartenfreunde-landesverband-bw.de) eingestellt – über das NiG-Logo einklicken, auswählen – und herunterladen! So können Sie herausfinden, ob Ihr Garten schon „zertifizierungsreif“ ist.
Trifft das zu und Sie möchten dies nach außen darstellen, folgt als nächstes die Anmeldung beim Landesverband, die ganz einfach formlos per e-mail (info@landesverband-bw.de) oder Brief erfolgen kann. Sie erhalten dann von uns die Anmeldebestätigung samt Rechnung und wir geben Ihre Kontaktdaten an den Ihrem Garten räumlich „nächstwohnenden“ Zertifizierer weiter, der sich dann zwecks Terminabsprache mit Ihnen in Verbindung setzt. Nach Überweisung der Kosten findet die Zertifizierung in Ihrem Garten statt, und Sie erhalten gleich nach Bestehen feierlich Urkunde und Plakette überreicht.Zu den Kosten: Plakette und Urkunde werden zusammen mit 30 € in Rechnung gestellt, dazu kommen die Zertifizierungskosten: 95 € für Nichtmitglieder, 70 € für Fördermitglieder des Landesverbandes oder Mitglieder eines ihm angeschlossenen Bezirksverbandes oder Vereins; 200 € für „professionelle“ Gärten oder Parks, die Eintrittsgeld erheben – sowie die Fahrkosten, die mit 0,30 € pro Kilometer berechnet werden.
Die Kosten wurden übrigens so angesetzt, dass für die Zertifizierungen – die auch Nichtmitgliedern offenstehen – keine „regulären“ Mitgliedsbeiträge verwendet werden müssen.
Und noch eine Klarstellung: Die Zertifizierer arbeiten ausschließlich im Auftrag des Landesverbandes und sind hier nur für die NiG-Naturgartenzertifizierungen „zuständig“, nicht für Fachvorträge o.a. Bezirks- und Vereinsveranstaltungen. Werden sie von Bezirken oder Vereinen gebeten, die Zertifizierung vorzustellen – was natürlich mehr oder weniger auf einen „Naturgarten-Vortrag“ hinausläuft – wird das seitens des LV selbstverständlich begrüßt, die „Modalitäten“ müssen aber direkt mit den Zertifizierern abgesprochen werden. Bei der Erstellung solcher Präsentationen unterstützt der LV natürlich wie immer gerne. Immer wieder bekommen wir die Frage gestellt: „Warum brauche ich eigentlich eine Zertifizierung, die Geld kostet, denn ich kann doch meinen Garten auch so naturnah bewirtschaften?“
Selbstverständlich ist und bleibt ein Naturgarten auch ohne NiG-Zertifizierung ein Naturgarten, aber…
Zum Schluss die Antwort auf die eine Frage weshalb wir uns ausgerechnet einer „ausländischen“ Naturgartenorganisation angeschlossen haben, wo es ja in Deutschland bereits zwei solche Organisationen gibt, die auch Naturgartenzertifizierungen anbieten: Für uns – und das bekommen wir ja auch vom Bundeskleingartengesetz „ins Stammbuch geschrieben“ hat der Garten folgende Aufgaben:
Für uns stehen Gärten für eine Kulturleistung des Menschen; einschließlich der in ihnen kultivierten, „hochgezüchteten“ oder eingeführten Pflanzen. Die derzeitigen Bestrebungen – auch von „hochrangigen“ Gartengesellschaften – Gärten in „Naturersatzflächen“ umwandeln zu wollen, sind nur in Ausnahmefällen wirklich zielführend, gefährden wertvolles Kulturgut – es sei hier nur die Sortenerhaltung genannt – und missachten auch die historische und zunehmend an Bedeutung gewinnende Funktion der Gärten zur Lebensmittelgewinnung. Wir streben einen unideologischen, zweckorientierten und soweit möglich optimierten Kompromiss zwischen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und den menschlichen Bedürfnissen zum Wohl aller „Gartennutzer“ an und sind überzeugt, mit NATUR im GARTEN Niederösterreich hier den passenden Partner gefunden zu haben.
Harald Schäfer, Landesfachberatung