Linsen (Lens culinaris ssp. culinaris) sind Schmetterlingsblütler (Faboideae) und Hülsenfrüchtler. Wildformen der Linse stammen aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien und waren bereits vor über 8.000 Jahren wichtige, eiweißhaltige Nutzpfllanzen. Linsen sind einjährige, krautige Pfllanzen, die zwischen 20 und 50 Zentimeter hoch werden. Als Leguminosen können sie infolge der Symbiose mit Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln Luftstickstoff in biologischen Sticksto wie z. B. Aminosäuren und Proteine umwandeln. Nach Absterben der Pflanze und nachfolgender Rotte wird dieser Stickstoff für nachfolgende Kulturen frei verfügbar. Daher wird Linsensaat auch als Gründüngung ausgebracht. Linsen bedürfen warmer, sonniger Standorte sowie kalkreicher, durchlässiger und nährstoffarmer Böden. Sie gedeihen gut bei Trockenheit auf fl achgründigen Böden aus Kalkschotter, Muschelkalk oder Sandkalk. Bei nährstoff reichen Gartenböden werden sie schnell mastig und damit anfällig für Schadorganismen. Ähnlich wie im Indianerbeet Bohnen mit Mais – natürlich auch noch mit Kürbissen – werden Linsen mit Hafer, Gerste oder Hirse in Mischkultur angebaut. Im Alleinanbau dienen trockene Zweige, die meist bei 30 cm Triebhöhe zwischen die Reihen gesteckt werden, als Stützhilfe. Die Aussaat erfolgt etwa Ende April/Anfang Mai, Saatablage in 4 cm Tiefe, bei einem Abstand von 5 cm in der Reihe und einem Reihenabstand von mindestens 20 cm. Die Kulturfl äche ist vor allem in den ersten Wochen akribisch von unerwünschten Beikräutern freizuhalten. Während der Hülsenbildung sollten Sie die Pflanzen in Trockenzeiten nur mäßig gießen. Zuviel Wasser lässt die Blüten und Früchte abfallen. Auf Dünger kann verzichtet werden. Von April bis Herbst zeigen sich traubige Blütenstände mit ein bis drei Blüten in weißlich-bläulich bis zart-violetten Farben. Es herrscht Selbstbefruchtung vor. Die fertigen Hülsenfrüchte sind bis zu zwei Zentimeter lang und enthalten runde, flache und ein bis zwei mm dicke Samen. Je nach Aussaatzeitpunkt sind Linsen meist ab Mitte/Ende August erntereif. Ernten Sie alle oberirdischen Pfl anzenteile, lassen Sie die Wurzeln im Boden. Zunächst werden die Hülsen unter Dach getrocknet. Später werden die Samen aus den Hülsen, die in einem Tuch liegen, geklopft. Dann werden die Linsen von den Hülsenresten per Luftzufuhr oder Sieben getrennt. Es gibt zahlreiche Linsensorten, die in großsamige und kleinsamige unterteilt werden. Kleinsamige Linsen sind in der Regel aromatischer. Rote Linsen sind die kleinsten Linsen und werden schon nach kurzer Kochzeit weich. Sie eignen sich für Suppen oder Pürees. Gelbe Linsen sind sehr milde Linsen, die häufig für indische Gerichte verwendet werden. Berglinsen sind rot-braun und bleiben relativ bissfest nach dem Garen. Sie werden für Eintöpfe verwendet. Puy-Linsen sind nach der Region Puy de Dôme in Frankreich benannt und sind sehr klein und grau-grün bis grün-braun. Sie zeichnen sich durch einen äußerst nussigen Geschmack aus. Beluga- Linsen sind klein und schwarz, sie erinnern im Aussehen an Kaviar und schmecken besonders aromatisch. Tellerlinsen sind etwas größer und eignen sich ebenfalls gut für länger köchelnde Suppen. Auf der Schwäbischen Alb werden zum Teil historische Linsensorten angebaut. Beispielsweise hat die „Schwarze Linse“ blaue Blüten und bildet kleine schwarze Samen. Die „Champagnerlinse“ ist eine französische Winterlinse, die große Erträge liefert.
Jörg Gensicke, Landesfachberatung