Seidelbast (Daphne mezereum)

Der Echte Seidelbast ist in Europa und Westasien weit verbreitet. Seine duftenden, rosa bis purpurroten Blüten, die noch vor den Blättern im Vorfrühling erscheinen, machen ihn trotz seiner Giftigkeit zu einer beliebten Zierpflanze. Die Früchte sind leuchtend rote Beeren mit nur einem Samen. Drosseln und andere Vögel fressen sie gerne; die darin enthaltenen Phorbolester Mezerein und Daphnetoxin kann ihnen nichts anhaben.  Beide Substanzen gelten als Ko-Karzinogene. Symptome einer Vergiftung zeigen sich unter anderem an dem Brennen und Anschwellen der Mundschleimhaut, der Lippen und der Zunge durch Blasenbildung und Entzündungen. Bei zunehmender Dosis kommt es zu Übelkeit und Erbrechen, Magenbeschwerden, verbunden mit Krämpfen und Durchfällen. Außerdem bewirken die Giftstoffe Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Kreislaufprobleme, Fieber und beschleunigtem Herzschlag bis hin zum Kreislaufkollaps. Für Erwachsene gelten 10–12 Beeren als tödlich, für Kinder 4–5 Beeren. Jedoch wenn sich auch Kinder von den Beeren verlocken lassen, kommt es gewöhnlich nicht zu ernsten Vergiftungen, weil das Mezerein sehr unangenehm brennend schmeckt.

Bei Tieren sind besonders Schweine, Rinder und Pferde gefährdet. Die tödliche Dosis liegt beim Schwein bei 3–5 Beeren, beim Pferd 30 Gramm Rinde. Der Echte Seidelbast wächst als kleiner, wenig verzweigter, aufrechter bis aufsteigender, sommergrüner Strauch mit rutenförmigen zähen Ästen, der Wuchshöhen von 40 bis 125 Zentimetern erreicht. Die Rinde junger Zweige ist gelblich-braun, später reißt sie auf und nimmt eine braun-graue Farbe an. Er gilt als typischer Buchenbegleiter. Als natürliche Standorte werden kalkhaltige und nährstoffreiche Böden von Laubmischwäldern, Hochstaudenfluren, Nadelmisch- und Bergwäldern oder auch Hartholz-Auenwälder bevorzugt.

Jörg Gensicke