Topinambur

(Helianthus tuberosus) – Die unterschätzte Diabetikerkartoffel    

Die Pflanze hat eine interessante Geschichte. Ursprünglich stammt sie vom Südzipfel Südamerikas. Sie wanderte dann über Brasilien, Mexiko, Nordamerika nach Kanada. Dort rettete Topinambur französischen Auswanderern während einer harten Hungersnot das Leben. Sie schickten einige Knollen ihrer Lebensretter in die alte Heimat nach Frankreich. In Paris nannte man sie im Jahre 1612 zunächst „Indianerkartoffeln“. Zufälligerweise befanden sich zeitgleich Ureinwohner Brasiliens in der Stadt – ein Indianerstamm namens Tobinambas. Sie hatten zwar mit der Knolle nichts zu tun, aber der Name gefiel halt. So bekam die Frucht den Namen Topinambur.    

Von Frankreich aus begann ihr Siegeszug durch Europa und erreichte im Jahre 1626 Deutschland. Hoch geschätzt war sie als Speise- und Futterpflanze bis zum 18. Jahrhundert. Sie versorgte die Bevölkerung hauptsächlich mit Kohlenhydraten, bis sie letztendlich von der Kartoffel verdrängt wurde. Deren Erträge waren größer und die Lagerhaltung einfacher.   

Topinambur wanderte weiter nach Sibirien, China und Japan.    

Aber schon bald wurde unsere Gemüseknolle wieder zurückgeholt. Ihre bioenergetischen Eigenschaften waren einfach zu groß, der Geschmack zu einmalig. Dem deutschen Saatzuchtpionier Gustav Adolf Küppers (1894-1978) aus Krefeld verdanken wir die heutige Vielfalt und Sortenstärke. Noch ist sie kein Volksgemüse, aber sie gilt als Geheimtipp. Eine Rückbesinnung auf altbewährtes Gemüse brachte sie erneut auf unsere Teller. Mal abgesehen von ihren sättigenden Kohlenhydraten enthalten die Früchte sehr viele Vitamine und Mineralstoffe. Besonders Diabetiker profitieren von ihrem Inhaltsstoff Inulin (nicht zu verwechseln mit Insulin), einem Kohlenhydrattyp, der aber den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen lässt.    

Topinambur wird auch als präbiotisches Wintergemüse bezeichnet. Er enthält ganz bestimmte Ballaststoffe, die zum Aufbau einer gesunden Darmflora beitragen. Auf diesem Wege werden die Abwehrkräfte gestärkt und eine intakte Verdauung gefördert. So trägt Topinambur auch zum Schutz vor Magen-Darm-Erkrankungen bei und hilft bei Diabetes.   

In 100 Gramm Topinambur sind enthalten:    

  • 0,2 mg Vitamin B1, wichtig für den Kohlenhydrat- und Aminosäuren-Stoffwechsel sowie für das Nervensystem;    
  • 1,3 mg Vitamin B3, trägt zur Regeneration der Nerven, Muskeln und der Haut bei;    
  • 4 mg Vitamin C, wirkt antioxidativ, bindet freie Radikale im Körper;   
  • 4 mg Eisen, wichtig für den Sauerstofftransport;   
  • 500 mg Kalium, entscheidend für den Flüssigkeitshaushalt und die Weiterleitung elektrischer Impulse an Nerven- und Muskelzellen;   
  • 0,1 mg Kupfer, wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen und das zentrale Nervensystem.   

Topinambur besteht zu 80% aus Wasser und enthält praktisch kein Fett. Mit nur 73 Kalorien pro 100 Gramm und einem hohen Ballaststoffanteil unterstützt die Knolle das Abnehmen. Die Ballaststoffe quellen bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr auf und rufen ein rasches Sättigungsgefühl hervor. Heißhungerattacken wird somit entgegengewirkt.   

In der Volksheilkunde verschiedener Kulturen wird das Gemüse zur Behandlung und Linderung verschiedener Krankheiten eingesetzt. Beschrieben werden    

  • Magen-Darm-Beschwerden,   
  • Rheuma,    
  • Kraftlosigkeit,   
  • Schlaflosigkeit und   
  • Haut-Probleme / Ekzeme.    

Für Heilanwendungen können bei der Pflanze die Blätter, Stängel, Blüten und Knollen genutzt werden, z.B. als Badezusatz, Auflage, Trinkkur, Blüten-Tee.    

Antonia Rose


Topinambur-Suppe    

Zutaten: 1 kg Topinambur, 1 Zwiebel, 2 Möhren, ½ Knollensellerie, 100g Blumenkohl, eine handvoll Hasselnüsse, 1 Stange Porree, Margarine, 1 Liter Gemüsebrühe, Muskat, Salz, Petersilie.     

Anleitung: Hasselnüsse in einer Pfanne anbraten. Das Gemüse putzen und schneiden, in den gefetteten Topf geben, und unter Rühren 1 Minute dünsten. Mit der Hälfte der Brühe ablöschen und 10 Minuten garen. Dann die restliche Brühe dazugeben und mit Mixer oder Pürierstab grob pürieren. Mit den Gewürzen abschmecken, nochmals aufkochen und portionieren. Die Petersilie klein rupfen und zu guter Letzt gemeinsam mit Käse und den angebrattenen Hasselnüssen darüberstreuen.