Demnächst geht das große Säen los. Wer selbst Jungpflanzen anzieht, macht sich weitgehend frei vom allgemeinen Angebot der Gärtnereien und Garten-Center, braucht jedoch dazu bestimmte Voraussetzungen, fundiertes Wissen und am besten ein Kleingewächshaus. Pflanzenanzucht auf der Fensterbank ist nur Notbehelf und frühe im Frühbeet unsicher, in Bodennähe anstrengend, daher stressig. Als zusätzlich sehr nützlich erweist sich ein thermostatgesteuertes Anzuchtbeet mit Abdeckhaube, das die gewünschte Temperatur genau einhält, so dass man dann nicht das ganze Haus warmhalten muss. Heizbare Pikierschalen sind ebenfalls praktisch, da sie den weniger wärmebedürftigen Arten zumindest anfangs die recht förderliche Bodenwärme spenden. Gewöhnlich ist bis zum Erscheinen der Sämlinge etwas mehr Wärme angebracht, danach weniger, also zunächst durchschnittlich 20-22 Grad, sofort nach Aufgang der Saat ungefähr 15-18 Grad, besser weniger als mehr, weil dann die Pflanzen gedrungen wachsen. Etwas niedrigere Nachttemperaturen sind nicht nachteilig, fördern offenbar im Gegenteil das Wachstum.
Zu viel Wärme bei der Anzucht schadet, weil dann andere Wachstumsfaktoren, vor allem Licht, leicht ins Minimum geraten. Viel Wärme und wenig Licht ist gar nicht gut und muss bei frühem Anzuchtbeginn unbedingt berücksichtigt werden. Weil es mit Jahresfortschritt jeden Tag ein bisschen länger hell bleibt, die Sonne intensiver strahlt, zügelt man seine Ungeduld und fängt eher ein bisschen später, an als zunächst geplant. Häufig holen spätere Saaten frühere ein, weil die Licht- und Temperaturverhältnisse inzwischen besser wurden. Ein sinnvoller Anfangstermin hängt übrigens auch sehr von örtlichen Klimagegebenheiten ab.
Pflanzen sind lufthungrig. Gewächshäuser müssen ausreichend gelüftet werden können. Üblich sind Lüftungsklappen in Firstnähe, durch die zu warme, verbrauchte Luft entweicht, während durch Klappen an den seitlichen Stehwänden frische nachströmt. Empfehlenswert sind automatische Fensterheber, die einem das Öffnen und Schließen der Fenster abnehmen. Bei recht kühler Witterung, wenn die Regler nicht ansprechen, ist bewegte Luft fast noch wichtiger, weil sich dann weniger Pflanzenkrankheiten einstellen. Dafür sorgt ein Ventilator. Auch Foliengewächshäuser müssen gut belüftet werden, was mitunter ungenügend beachtet wird. Lüftung nur durch die Eingangstür genügt nicht. Die Lüftungsmöglichkeit muss vor dem Kauf geklärt werden. Noch mehr Luft bekommen die Pflanzen nach und nach im Frühbeet. Dort kommen zunächst Pflanzen unter, die nachts Kühle vertragen, nach und nach etwas empfindlichere. Mit entsprechendem Lüften, zunächst nur tagsüber, später auch nachts, werden die Setzlinge weiter abgehärtet. Schließlich entfernt man die Fenster ganz, so dass am Ende gut eingestellte Pflanzen gesetzt werden können.
Ilse Jaehner